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Düngeverordnung

Alter Wein in neuen Schläuchen

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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
27.10.2016

München - Nun kommt sie also doch, die verpflichtende Hoftorbilanz.

Simon Michel-Berger

Zwar vorerst nur für viehstarke Betriebe mit wenig Fläche – die Rede ist von 2000 Mastschweinen oder mehr als drei Großvieheinheiten pro Hektar – aber sie kommt. Nun könnte man sagen, dass davon in Bayern geschätzt nur rund 1500 Betriebe betroffen sein werden (laut Staatsministerium). Aber die SPD hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie diese Bilanzierung, die nun Stoffstrombilanz heißt, am liebsten ausdehnen möchte. Früher oder später, davon ist auszugehen, werden auch andere Landwirte in den „Genuss“ dieser zusätzlichen Bürokratie kommen.

Man sollte die Hoftorbilanz nicht pauschal verteufeln. Seit einigen Jahren gibt es bei der Landesanstalt für Landwirtschaft die Möglichkeit, sie freiwillig durchführen zu lassen. Ein Interesse daran ist da, rund 500 Betriebe nutzen die Möglichkeit pro Jahr. Wenn das Instrument dem einen oder anderen Betriebsleiter hilft, effizienter mit Stickstoff zu haushalten, ist das nur zu begrüßen.

Doch wieder mal steckt der Teufel im Detail. Reine Ackerbaubetriebe dürften weniger Probleme mit den neuen Vorgaben – wie auch immer sie im Detail ausgestaltet werden – haben, als viehstarke Betriebe. Auf Letztere kommt neue Bürokratie zu. Durch einen möglichen automatischen Abgleich zwischen der Stoffstrombilanz und anderen Datenbanken könnte am Ende der gläserne Nutztierhalter stehen, dessen wichtigste betriebliche Daten auf einen Schlag mehreren Behörden zur Verfügung stehen. Und vielleicht, im Zuge von Auskunftsverfahren, irgendwann Naturschützern, Bürgerinitiativen und Tierrechtlern? Auszuschließen ist das nicht.

Bleibt zu hoffen, dass die Politiker, die sich so lange gegen eine Hoftorbilanz gewehrt haben, ihre Versprechen halten, wenn es um eine praktikable Umsetzung der neuen Regeln geht.

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