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Klimawandel

Die Angst vor der neuen Dürre

VBZ
Externer Autor
am
02.05.2019

Nachdem der Deutsche Wetterdienst vor einem möglichen zweiten Dürrejahr in Folge warnte, wies das Bundeslandwirtschaftsministerium dies als Spekulation zurück. Die Nervosität im Agrarressort scheint beim Thema relativ hoch.

Offenbach/Berlin Eigentlich war es nur eine Pressemitteilung. Vergangene Woche warnte der Deutsche Wetterdienst (DWD) vor einem erneuten Dürresommer. Dr. Udo Busch, Leiter Agrarmeterologie erklärte: „Sollte die trockene Witterung in den kommenden Monaten anhalten, könnte sich die Dürre des Jahres 2018 wiederholen oder sogar übertroffen werden.“ Selbst im Dürrejahr 2018 hätten die Bodenfeuchtewerte im April deutlich über den aktuellen Werten dieses Jahres gelegen.
Doch im Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) scheint die Meldung einen Nerv getroffen zu haben. Ein Sprecher des Hauses wies die Aussagen des DWD wenig später als Spekulation zurück. Den Wetterdiensten sei es nicht möglich, eine gesicherte Prognose über einen längeren Zeitraum hinweg geben zu können. „Alle jetzt abgegebenen Prognosen, die den gesamten Sommer betreffen, sind Spekulation“, stellte der Sprecher klar.

Landwirtschaft muss Maßnahmen ergreifen

Gleichzeitig bestätigte der Sprecher, dass das Frühjahr bislang sehr trocken gewesen sei und sich viele Landwirte Sorgen um ihre Böden und Pflanzen machten. Auch hätte das Wasserdefizit aus dem vergangenen Jahr bislang nur teilweise ausgeglichen werden können. Im BMEL beobachte man die aktuellen Entwicklungen jedoch genau und nehme die Sorgen der Landwirte sehr ernst. Land- und Forstwirtschaft seien durch den Klimawandel einem erhöhten Risiko von Wetterextremen ausgesetzt.
In der Landwirtschaft würde laut Agrarressort verschiedenen Maßnahmen mehr Bedeutung zukommen müssen, um sich auf Wetterextreme einzustellen. Dazu gehörten unter anderem die Nutzung von Mulchschichten nicht abgefrorener Zwischenfrüchte als Verdunstungsschutz, die Aussaat von Sommerfrüchten, die noch vorhandene Winterfeuchtigkeit am besten ausnutzten, die Diversifizierung durch den Anbau unterschiedlicher Kulturen und Sorten zur Risikostreuung sowie die Auswahl möglichst trockenstresstoleranter Sorten.

Kritik an Dürrehilfen
von der Opposition

Der landwirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Gero Hocker, bekräftigte unterdessen seine Kritik an der Bundesregierung: „Statt eine eigenverantwortliche Risikovorsorge zu fördern, werden die Landwirte mit Dürrehilfen von der Politik abhängig gemacht und in die Mühlen der Bürokratie getrieben“. Er forderte erneut eine steuerfreie Risikoausgleichsrücklage für landwirtschaftliche Betriebe.

Dürrehilfen noch nicht ausgeschöpft

Der Hauptberichterstatter im Haushaltsausschuss für den Etat des Bundeslandwirtschaftsministeriums, Christian Haase (CDU) wies darauf hin, dass im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ 25 Mio. € an Dürrehilfen für die Forstwirtschaft bereitgestellt seien. Die Länder müssten diese Hilfen ausschöpfen und ihre Möglichkeit nutzen, weitere Mittel aus der regulären Gemeinschaftsaufgabe umzuschichten. Vom Bundesfinanzminister erwartet Haase, dass die beschlossenen steuerlichen Entlastungen für betroffene Waldbesitzer auch im Steuerjahr 2019 gelten. Angesichts der Aussicht auf einen weiteren Dürresommer müsse der Bund bereit sein, seine Finanzhilfen aufzustocken.
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