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Interessenausgleich

Artenvielfalt - nur Reflexe reichen nicht

Bienen
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Alexandra Königer, Wochenblatt
am
19.07.2018

Um die Artenvielfalt zu wahren braucht es viele Ansätze.

Alexandra Königer

Ha! Da war er wieder, der alte Vorwurf! Die Landwirtschaft soll schuld sein am Artensterben. Was dann in schöner Regelmäßigkeit folgt: Empörung auf CSU-Seite, dass die Opposition wieder auf die armen Bauern eindrischt. Reflexhaft reagieren so viele CSU-Vertreter, wenn es im Landtag um den dramatischen Rückgang der Artenvielfalt geht, manche hören den Oppositionspolitikern nicht einmal richtig zu.

Dabei argumentieren SPD und Grüne inzwischen deutlich differenzierter: Nicht die Bauern sind aus ihrer Sicht schuld, sondern die politischen Rahmenbedingungen, unter denen sie wirtschaften müssen. Egal – da war rauszuhören, dass es gegen die Bauern geht. Die Folge: Sich laut empören, dann zufrieden zurücklehnen.

Das ist zu wenig angesichts der Kenntnisse über das Artensterben, die jetzt auf dem Tisch liegen – und es hilft auch den Bauern nicht weiter. Freilich gibt es weitere Ursachen, aber auch der Strukturwandel in der Landwirtschaft und seine Folgen stehen auf der Liste. Das lässt sich nicht wegdiskutieren.

Was ist zu tun? Erste Ansätze des CSU-Umweltministers Marcel Huber machen Sinn, auch wenn sie spät kommen: mehr Forschung, einzelne Artenschutzprogramme, ein gesellschaftlich breiter Ansatz, der Kommunen, Verwaltungen und Bürger ins Boot holen soll, um mehr gegen das Artensterben zu tun. Auch zehn Millionen Euro mehr für das Vertragsnaturschutzprogramm mögen sinnvoll sein, reichen aber nicht aus.

Wer das Thema wirklich ernst nimmt, sollte das Problem grundsätzlicher angehen und dabei Kreativität und Mut beweisen. Nicht alle Vorschläge der Opposition sind per se schlecht. Mehr Sachlichkeit und weniger Reflexe in der Debatte würden auch den Bauern helfen – sie sind durch weniger Bestäuber und Nützlinge vom Artensterben schließlich besonders betroffen.

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