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Internationaler Handel

Aufgepasst auf Mercosur!

Mercosur
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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
26.07.2018

Seit rund 20 Jahren verhandeln die EU und der südamerikanische Mercosur-Block über ein Freihandelsabkommen. Nun hört man aus Brüssel, dass eine Einigung in den nächsten Wochen möglich sei.

Simon Michel-Berger

Zwar ärgern sich beide Partner offiziell noch darüber, dass die jeweils andere Seite nicht genug Zugeständnisse macht. Aber das kann am Ende noch kommen. Die großen Geschenke macht man ja auch erst am Heiligen Abend, nicht schon Ende November.

Wenn es den Politikern „gelingt“, diesmal eine Einigung zu erzielen, könnte das massive Folgen für die hiesige Landwirtschaft haben: Billiger Zucker, billiges Ethanol und nicht zuletzt billiges Rindfleisch würden in erheblichem Maße auf unseren Markt fluten. Von Schweine- und Geflügelfleisch nicht zu reden, das derzeit nur begrenzt zu uns kommt, weil die Einhaltung von Gesetzen in der brasilianischen Fleischwirtschaft manchmal eher Ausnahme als Regel zu sein scheint.

Für die Belange der europäischen Landwirte setzen sich Frankreich, Irland und Italien noch am stärksten ein. Von allen anderen Ländern sind aus den Agrarressorts zwar Proteste zu hören, doch die Exportinteressen der Industrielobby sind stärker. Schon einmal scheiterte eine Einigung nicht am autoexportfreudigen Deutschland sondern vor allem am „Nein“ aus Paris. Aber angesichts eines US-Präsidenten, der nichts lieber tut, als alle Gewissheiten im Welthandel über Bord zu werfen, könnte es sein, dass sich die EU diesmal mit den Südamerikanern einigt. Man will ja Zeichen setzen.

Für die Bauern wäre es eine Katastrophe. Daran sollten auch Leute wie Grünen-Bundesvorsitzender Robert Habeck denken. Letzterer schwadroniert dieser Tage herum, man müsse wegen dem Klimawandel den Tierbestand reduzieren. Aber was bleibt von unserer Landwirtschaft noch übrig, wenn unfaire Handelsabkommen ihr die Luft zum Atmen nehmen?

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