Login
Politischer Aschermittwoch

Die Bauern fordern fairen Dialog

Martin Schulz
AK, MP, HG, CR, HS
am
01.03.2017

Vilshofen/Passau/Deggendorf/Dingolfing/Landshut - BBV-Delegationen waren bei allen Parteien zum politischen Aschermittwoch vor Ort.

Bäuerinnen und Bauern überbrachten zu allen Veranstaltungen der Parteien zum Politischen Aschwermittwoch einen Korb mit regionalen Lebensmitteln. Verbunden war das Geschenk mit einer klaren Botschaft: „Das ist die Qualität und Vielfalt, für die wir stehen...doch Öffentlichkeit und Politik zeichnen gern ein anderes Bild.“
SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz wurde in Vilshofen von vielen Kameras und Mikrofonen erwartet – und von knapp 20 Bauern aus den Landkreisen Rottal-Inn und Straubing um den niederbayerischen Bezirkspräsidenten Gerhard Stadler. Beim politischen Aschermittwoch der SPD hießen sie den designierten Parteivorsitzenden willkommen und forderten nach der „Bauernregel“-Kampagne von Barbara Hendricks einen sachlichen Dialog zur Landwirtschaft ein.
Nachdem er die Medienvertreter kurzerhand mit zu den Bauern herüber genommen hatte, nahm sich Schulz verhältnismäßig viel Zeit für das Gespräch mit den Landwirten. Er sprach den bayerischen Bauern seinen Respekt für ihre Arbeit und die Qualität der Lebensmittel aus. „Ich will auch künftig eine starke Landwirtschaft und gesunde Lebensmittel!“, sagte Schulz. Außerdem sicherte er zu, dass er sich stets für einen sachlichen Dialog zum Thema Landwirtschaft einsetze.
In seiner Rede im Bierzelt allerdings spielte die Landwirtschaft keine große Rolle. In einer längeren Liste von Bereichen, in denen Schulz dringenden Investitionsbedarf sieht, nannte er auch den ländlichen Raum.  „Das ist Gerechtigkeit“, rief Schulz und erntete Applaus von den rund 5000 Besuchern in Vilshofen.

Seehofer will klare Antwort von der SPD

Aschermittwoch CSU

Für den CSU-Chef und Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) ist die Aktion von Hendricks noch nicht erledigt: „Ich möchte von der SPD klipp und klar vor der Wahl wissen, ob sie zu den Bauern steht oder ob sie mit dieser Verunglimpfungsgeschichte eine Fortsetzung schreibt“, sagte Seehofer beim politischen Aschermittwoch der CSU in Passau.
Seehofer, Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt, Agrarminister Helmut Brunner, der Europaabgeordnete Manfred Weber und die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Landwirtschaft, Marlene Mortler, tauschten sich mit den Bauern, angeführt von BBV-Präsident Walter Heidl, aus. Dieser forderte zukünftig eine sachliche Diskussion, damit die bayerische Landwirtschaft, die von Familienbetrieben dominiert wird, nicht durch immer mehr Auflagen „erdrückt“ wird.

Hubert Aiwanger: "Es war eine Ehre"

Aschermittwoch Freie Wähler

„Es war eine Ehre“, hat Hubert Aiwanger, Landesvorsitzender der Freien Wähler, auf dem Politischen Aschermittwoch in Deggendorf gesagt, dass er mit regionalen Spezialitäten empfangen wurde. BBV-Direktor Peter Huber hatte ein Ende von Vorschriften, die in der Praxis kaum umsetzbar seien, gefordert.
Aiwanger will ein Europa der Regionen, das die Menschen vor Ort mitgestalten können. Bundespräsidenten-Kandidat Alexander Hold forderte eine vernünftige Förderung für die Familienbetriebe und Heinrich Schmid, der niederbayerische Bezirksvorsitzende fragte, wer die Kulturlandschaft pflegen solle, wenn nicht die Bauern. Aber er gab dem Bauernverband zu bedenken, dass oft nicht klar sei, ob er wirklich auf der Seite der kleinen Bauern stehe.

Lindner will Interessen der Landwirtschaft ernst nehmen

Aschermittwoch FDP

FDP-Bundesvorsitzender Christian Lindner versicherte in Dingolfing gegenüber den BBV-Vertretern, die Interessen der Landwirtschaft ernst zu nehmen. Für die hohe Produktqualität lobte Lindner die Landwirte auch bei seinem politischen Statement auf der Bühne. Umso verwerflicher sei die Bauernregel-Kampagne von Hendricks zu bewerten.
Eine klare Absage erteilte er auch den Gegnern der modernen Landwirtschaft, die Höfe für „Wellness-Betriebe“ halten und zu romantische Vorstellungen von Landwirtschaft hegten. Landwirte seien Unternehmer und früher sei auch nicht alles besser gewesen. „Der Tierschutz war damals schlechter, die Qualität der Produkte war damals schlechter und auch die Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft waren damals schlechter. Wer dahin zurück will, hat doch keine Ahnung“, so Lindner.

Roth und Hagl wollen Stärkung regionaler Produkte

Aschermittwoch die Grünen

Auch die Grünen, mit Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth und der bayerischen Landesvorsitzenden Sigi Hagl, wurden zu ihrem politischen Aschermittwoch im Berlochner Saal in Landshut von einer Delegation des BBV empfangen.
Die BBV-Vertreter machten deutlich, dass sie für bäuerliche Familienbetriebe und deren Weiterentwicklung stehen. Sie wünschten sich, dass ihre Leistungen in der Gesellschaft anerkannt würden und die politischen Rahmenbedingungen ein Überleben der Bauernhöfe sichern.
Die Politiker wiederum traten ein für strengere Vorgaben für eine artgemäße Tierhaltung, mehr Schutz für Wasser, Böden und Klima sowie eine wahrheitsgetreue Verbraucherinformation. Sie unterstrichen die Bedeutung einer nachhaltigen Ausrichtung der Landwirtschaft und befürworteten die Stärkung einer regionalen Lebensmittelproduktion. Um das zu erreichen, müsse die Gesellschaft bereit sein, Umweltleistungen, wie Bodenerhaltung, Wassermanagement, Bewahrung der biologischen Vielfalt und Erhalt der Kulturlandschaft, durch die regionale Landwirtschaft zu honorieren.

Auch interessant