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Kommentar

Unsere Bauern sollen wieder mal die Zeche für andere zahlen

Rindviehherde in Brasilien
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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
01.02.2018

Showdown zwischen der EU und dem südamerikanischen Mercosur-Block.

Simon Michel-Berger

Es ist Showdown, zwischen der EU und dem südamerikanischen Mercosur-Block. In naher Zukunft wird sich zeigen, ob es zu einem Handelsabkommen kommt. Allen Beteuerungen der EU-Kommission zum Trotz ist klar: Es geht um den Tausch von Zugang zum EU-Agrarmarkt gegen Zugang zu den südamerikanischen Märkten für Maschinen, Dienstleistungen und andere nicht-landwirtschaftliche Güter. Mindestens 70 000 Tonnen Rindfleisch würden bei einem Abkommen zusätzlich auf den EU-Markt drängen. Hinzu kämen 600 000 Tonnen Ethanol und 100 000 Tonnen Zucker. Brasilianische Interessenvertreter sagen: „Was regt ihr euch über so ein bisschen Rindfleisch auf – die Europäer essen davon jedes Jahr acht Millionen Tonnen.“ Stimmt, aber die EU importiert heute rund 300 000 Tonnen Rindfleisch im Jahr – und diese Summe könnte um ein Drittel steigen. Das soll dann immer noch keine Auswirkungen auf den EU-Fleischmarkt haben?

Es gibt eine Untersuchung der EU-Kommission zu den Auswirkungen eines Handelsabkommens von 2009. Damals hatte man Mercosur 100 000 Tonnen Rindfleisch angeboten. Die Studie kam zum Ergebnis: Insgesamt werden die Auswirkungen eines Handelsabkommens für die EU-Landwirtschaft negativ sein. Hoffnung machen dürfen sich nur die Erzeuger von Olivenöl, Wein und Spirituosen – sie bekommen angeblich neue Absatzmärkte. Das hilft aber den Rinderhaltern wenig, denen die Fleisch- und Schlachtviehpreise nach unten rauschen würden. Unsere Bauern sollen wieder mal die Zeche für andere zahlen. Und falls, wegen schlechter Rückverfolgbarkeit in Brasilien, ein Fleischskandal zu uns schwappt und das Verbrauchervertrauen beschädigt? Dann zahlen die Bauern gleich noch mal für etwas, von dem sie nichts haben.

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