Login
Engagement

Die Bauern müssen zusammenhalten

Theresa Fenzl
Hannelore Summer
am
27.07.2017

Regen - Theresa Fenzl ist seit März 2017 stellvertretende Kreisvorsitzende im Landkreis Regen. Sie ist die erste und einzige Frau im BBV, die ein solches Amt bekleidet. Wir sprachen mit ihr über Agrarpolitik und die heutige Rolle der Frauen darin.

Wochenblatt: Woher nehmen Sie die Kraft und Lust in der „Männerdomäne“ mitzumischen?

Fenzl: Generell interessiert mich das Politische seit ich denken kann, und das wird halt einfach in Männerrunden besprochen. Da habe ich mich immer wohl gefühlt, weil ich mit Männern besser diskutieren kann als in einer Frauenrunde. Wenn ich eine eigene Meinung habe, dann trete ich dafür vehement ein, das ist auch immer akzeptiert worden. Dass ich argumentieren muss, wenn ich etwas möchte, habe ich von klein auf in der Familie gelernt.

Wochenblatt: Finden Sie, dass sich das Frauenbild in der Landwirtschaft verändert?

Fenzl: Ja, auf jeden Fall. Der Wandel ist da. Die Betriebe werden größer, da ist es notwendig, dass die Frau mitarbeitet. Sie ist nicht mehr nur für Kinder und Haushalt gefordert, sondern auch im Betrieb. Immer öfter lernen Frauen Landwirtschaft und sind auch der Betriebsleiter. Ich sehe es auch bei den Jungzüchtern. Da sind sehr engagierte Mädels dabei, die den Betrieb daheim werfen. Durch den technischen Fortschritt ist die Arbeit leichter geworden, aber letztendlich ist es immer besser, wenn Mann und Frau gut zusammenarbeiten.

Wochenblatt: Haben sie gemerkt, dass Sie als junge Frau einen anderen Blick auf die Agrarpolitik haben als Männer, die schon lange dabei sind?

Fenzl: Wenn ein Unternehmer gut ist, hat das nichts mit seinem Geschlecht oder mit seinem Alter zu tun. Da spielt die Persönlichkeit eine viel größere Rolle. Seit ich in der Bezirksvorstandschaft mit dabei bin, habe ich einen anderen Einblick in die Arbeit gewonnen. Jetzt verstehe ich, warum es manchmal nicht geklappt hat, etwas für die Landwirte zu erreichen. Aber ich finde auch, dass man manche Anträge immer wieder stellen muss, so lange, bis sie durchgehen. Grundsätzlich funktioniert es am besten, wenn Jung und Alt an einem Strang ziehen. Da muss man halt miteinander diskutieren.

Wochenblatt: Sie bewirtschaften einen Milchviehbetrieb und sind Vorsitzende des Jungzüchterclubs. Wie schätzen Sie zur Zeit die Situation der Rinderhalter und Milcherzeuger ein?

Fenzl: Die Situation ist nicht einfach, aber man arbeitet wieder lieber, wenn man sieht, dass die Preise wieder anziehen. Nach wie vor müssen wir das Bürokratiemonster bewältigen und wir müssen den Verbrauchern vermitteln, was wir in der Landwirtschaft leisten. Da sind die Programme, die über den Bauernverband laufen, sehr gut. Wenn Schulklassen mit ihren Lehrern auf den Hof kommen, sind sie fasziniert, wie modern wir wirtschaften.

Wochenblatt: Wie sehen Sie die Diskussion über das Tierwohl?

Fenzl: Es ist sehr schwierig, weil die Diskussionen nicht sachlich geführt werden. Wir geben 365 Tage unser Bestes, dass es den Tieren gut geht. Dass wir dafür kritisiert werden, ist sehr schade. Manchmal habe ich das Gefühl, dass manche Organisationen nur sagen wollen, dass alles schlecht ist und gar nicht sehen wollen, wie es den Tieren bei uns geht. Aber das sind Gott-sei-Dank nicht so viele, die so radikal sind. Der Großteil der Bevölkerung sieht das schon anders. Es wäre wichtig, dass Verbraucher auch bereit wären, mehr Geld für Lebensmittel auszugeben.

Wochenblatt: Wie ist Ihr Verhältnis zu Bürokratie?

Fenzl: Wenn man Landwirtschaft betreibt, sollte der Hauptaugenmerk darauf liegen, dass man die Arbeit mit den Tieren gut verrichtet und nicht, dass man ja keinen Fehler macht, bei dem, was man aufschreibt. Ein Fehler kann riesige Auswirkungen haben. Wir haben das mitgemacht, als bei einer QS-Kontrolle ein Lieferschein auf den Namen meines Freundes ausgestellt war. Damit wären wir mit Vertragsstrafe von QS ausgeschlossen worden. Andere Betriebe hätten resigniert, ich habe viele Stellungnahmen geschrieben und Einsprüche und erreicht, dass wir nur abgemahnt wurden. Ich bin jemand, die sich nicht abbringen lässt und das durchzieht bis zum Schluss. Aber man bezweifelt das gesamte System.

Wochenblatt: Wo können sie einhaken?

Fenzl: Ich finde, dass beispielsweise bei QS das Problem nicht am Regelwerk liegt, sondern daran, wie es die Prüfer praktizieren. Da möchte ich einhaken. Das kann es nicht sein, dass man jede Richtlinie zehnmal schärfer kontrolliert, als es eigentlich vorgeschrieben ist. Es traut sich keiner der Prüfer zu sagen, dass es eigentlich passt, wenn die Beanstandungen Lappalien sind. Es ist schwierig, dass man etwas bewegt, aber nicht unmöglich.

Wochenblatt: Welche Möglichkeiten und Mechanismen sehen Sie, politische Rahmenbedingungen zu verändern?

Fenzl: Ich finde es wichtig, dass unser Berufsstand gut vertreten wird. Dazu brauchen wir die entsprechenden Politiker, die das umsetzen. Deswegen ist extrem wichtig, wie die Wahlen ausgehen. Ich habe Angst, dass wir unter rot-rot-grün so viele Auflagen zum Platzbedarf für Tiere im Stall bekommen, dass die Landwirtschaft nur noch extensiv und im Nebenerwerb möglich ist. Man hat manchmal das Gefühl, dass die Landwirtschaft generell zum Sündenbock gemacht wird für alle Umweltprobleme. Bei der Düngeverordnung wird gar nicht nach anderen Lösungen gesucht, sondern alle Landwirte bekommen Auflagen. Man müsste jeden einzelnen Betrieb erfassen, aber das geht leider nicht. Die Verordnungen müssten praxisnäher sein und viel differenzierter. Die Betriebe sind so unterschiedlich, Schweinehalter, Rinderhalter, viehlose Betriebe im Gäuboden haben ganz andere Probleme.

Wochenblatt: Was erwarten Sie von der GAP ab 2020?

Fenzl: Auf jeden Fall brauchen wir Planungssicherheit und müssen wissen, wie es nach 2020 weitergeht.

Wochenblatt: Was wollen Sie auf jeden Fall verhindern?

Fenzl: Dass die Flächenprämie eingestellt wird. Wir brauchen eine starke erste Säule, für manche Betriebe ist sie das einzige Betriebseinkommen. Für mich sind das keine Subventionen, sondern Preisausgleichszahlungen, damit die Verbraucher Lebensmittel sehr günstig einkaufen können.

Wochenblatt: Kann die Politik den Markt beeinflussen?

Fenzl: Ich bin kein Freund von Mengenregulierungen, aber es müsste gelingen, kurzfristig, EU-weit die Menge zu regulieren. Wenn wir wieder in so eine Situation kommen, wie letztes Jahr, bräuchten wir Rahmenbedingungen, mit denen wir das schaffen können. Da müssen wir dranbleiben. Ich bin kein Freund von der Quote, ich finde, der Markt sollte sich selber regulieren. Aber es ist schwierig. So viele Bauern liefern auf einen Markt. Wenn sich die Bauern nicht einig sind, profitieren andere. Die Politik muss den richtigen Rahmen schaffen.

Wochenblatt: Wie sehen Sie ihre Rolle in 15 Jahren auf dem Hof und im BBV?

Fenzl: Familie und Kinder sind schon mit geplant. Ich hoffe, dass wir den Betrieb gut weiterentwickeln und im Haupterwerb davon leben können. Das ist das, wofür ich mich einsetze. Aber ich sehe es auch realistisch, was ich als Stellvertretende Kreisvorsitzende erreichen kann.

Wochenblatt: Wie müssten die Rahmenbedingungen sein, damit sie sagen können: „Es läuft super“.

Fenzl: Bürokratieabbau, und dass den landwirtschaftlichen Familien Respekt für ihre Arbeit entgegengebracht wird und keine Anfeindungen.

Wochenblatt: Was ist ihr Herzenswunsch?

Fenzl: Dass der Bauernstand gut zusammenhält. Dass wir miteinander etwas erreichen und nicht gegeneinander streiten. Man muss miteinander diskutieren und die Betriebe gut vertreten.
 

Auch interessant