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Gutachten

Bauern widersprechen Bundesamt für Naturschutz

Feldhamster
pd
am
21.06.2017

Bonn - Der gestrigen BfN-Meldung zur Beeinträchtigung der Artenvielfalt durch die Landwirtschaft hat der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) widersprochen. Er könne, so der Verband, die eindimensionale Betrachtung des BfN nicht nachvollziehen.

In Nordrhein-Westfalen haben die beiden nordrhein-westfälischen Landwirtschaftsverbände, die Landwirtschaftskammer NRW und das NRW-Landwirtschaftsministerium nach RLV-Angaben bereits vor zwei Jahren eine „Rahmenvereinbarung Förderung der Biodiversität in Agrarlandschaften“ auf den Weg gebracht. Daraufhin seien in allen Regionen Runde Tische unter Leitung der Unteren Landschaftsbehörden gegründet worden. Hier werden mit allen relevanten Beteiligten konkrete Maßnahmen vor Ort erarbeitet. „Die rheinischen Bauern haben sich bereits stark für die Artenvielfalt engagiert“, betont der RLV. Ganz konkret etwa, indem sie eine Aktion starteten und 1.000 Wildretter verlosten, die Rehkitze vor dem Mähtod schützen. Weiterhin sind die Projekte zum Hamsterschutz in Zülpich sowie zum Kiebitzschutz erfolgreich umgesetzt worden.

„Wesentliche Ursachen für den Verlust an Biodiversität werden ausgeblendet. Die Artenvielfalt leidet auch unter Landschaftsverbrauch, Flächenverlust, Zersiedlung, Zunahme von Prädatoren (Beutegreifern), Klimawandel oder der Bejagung von Zugvögeln entlang der Zugrouten. Für das postulierte Insektensterben fehlen bislang verlässliche, repräsentative und wissenschaftliche Grundlagen, die das Ausmaß präzise beschreiben können. Um hier gegensteuern zu können, braucht es mehr als Allgemeinplätze und pauschale Schuldzuweisungen“, so der RLV.

Die Landwirte stünden aber zu Ihrer Verantwortung für die Artenvielfalt. Agrarumweltprogramme würden in Deutschland auf 30 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche umgesetzt, Hecken-Anpflanzungen, tausende Hektare von Feldrand-, Puffer- und Blühstreifen und viele Maßnahmen und Projekte vor Ort sind Beleg für das Engagement der Landwirtschaft. Doch für Öko- wie für konventionelle Betriebe gelte auch: wo Weizen angebaut werde, stehe kein Klatschmohn, wo ein Acker bewirtschaftet werde, sei keine Wildnis.

Vor allem aber gelte, so der RLV: „Die gemeinsame Agrarpolitik ist zunächst einmal eine Politik für die Stabilität der ländlichen Räume in Europa und nicht der verlängerte Arm der Naturschutzpolitik. Das BfN setzt hier am falschen Ende an – die ständige Wiederholung lässt viele Probleme der Biodiversität ungelöst. Zu Recht verweist das BfN auf das wesentliche Hindernis für mehr Leistungen im Naturschutz, wonach bisher die finanziellen Anreize für mehr Naturschutz fehlen und eine drastische Reduzierung des administrativen Aufwands und Vereinfachung der Kontrollregelungen erforderlich sind. In allen diesen Punkten vermisst der RLV bisher das Engagement des BfN und bieten auch die Vorschläge zur GAP keine umsetzbaren Lösungsansätze.

 

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