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Ferkelerzeuger

BBV-Umfrage Ferkelkastration: 97% favorisieren den „4. Weg“

Dr. Johann Ertl, BBV
am
01.08.2018

Auch Hoftierärzte befürworten die örtliche Betäubung und halten den geschulten Landwirt für fähig, diese durchzuführen.

Alternative Ferkelkastration

In einer Umfrage hat der BBV die bayerischen Schweinehalter befragt, welche Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration sie bevorzugen. Es haben sich 889 Schweinehalter beteiligt mit insgesamt 104.055 Zuchtsauen (das entspricht 44% des bayerischen Sauenbestandes) und 365.013 Schweinemastplätzen. Bei der Auswahl der favorisierten Variante nannten 862 Betriebe, das sind 97,0%, die Kastration unter örtlicher Betäubung durch den Landwirt, den sogenannten „4. Weg“. Die anderen Verfahren Ebermast, Immunokastration und Kastration unter Narkose werden lediglich von insgesamt 27 Betrieben bevorzugt. In 17 Fällen haben Schweinehalter nicht nur ein, sondern zwei oder drei Verfahren angekreuzt. In 20 Fällen fehlte eine Angabe zum bevorzugten Verfahren. 

Zustimmung Ferkelkastration

In 777 Fällen haben auch Hoftierärzte Angaben gemacht. Diese haben zu 95,0% der Aussage zugestimmt, dass die örtliche Betäubung eine geeignete Methode zur Ferkelkastration ist und auch in Deutschland möglich sein muss Sogar zu 97,6% haben die Hoftierärzte der Aussage zugestimmt, dass geschulte und sachkundige Schweinehalter in der Lage sind, eine Lokalanästhesie zur Ferkelkastration durchzuführen.

Bauernpräsident Walter Heidl dankt allen Schweinehaltern und Tierärzten, die sich an der Umfrage beteiligt haben und erklärt: „Schweinehalter und ihre Hoftierärzte sind die direkt Betroffenen beim Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration und sprechen sich mit sehr großer Mehrheit für den 4. Weg aus. Ich rufe die Politik auf, nach dem Votum der Betroffenen zu handeln und schnell Lösungen zu schaffen, die den 4. Weg ermöglichen. Die Zeit drängt!“

Schulung Ferkelkastration

Heidl hat Bundesministerin Klöckner, die bayerischen Minister Kaniber und Dr. Huber sowie die bayerischen Bundestagsabgeordneten, die Fraktionsvorsitzenden und die Mitglieder des Agrarausschusses im Bundestag auf die Ergebnisse hingewiesen und zum Handeln aufgefordert.

Dabei ist für Heidl klar: „Die Landwirtschaft stellt sich nicht gegen Veränderungen. Sie entwickelt im Gegenteil Lösungen für eine Weiterentwicklung und Verbesserung des Tierschutzes. Ziel der Diskussion ist kein ‚Weiter so‘ sondern vielmehr eine tatsächliche Verbesserung des Tierschutzes bei Erhalt der Konkurrenzfähigkeit der Betriebe am europäischen Markt.

Der ‚4. Weg‘ und auch schon die jetzt beabsichtigte Fristverlängerung im Tierschutzgesetz dienen dem Tierschutz. Sollte alleine die Fristverlängerung nicht kommen, dann müssten insbesondere in Süddeutschland viele Ferkelerzeuger wegen fehlender Konkurrenzfähigkeit ihre Tätigkeit einstellen. Gleichzeitig würden Ferkel aus anderen EU-Staaten importiert, die gerade entsprechend dem ‚4. Weg‘ kastriert wurden. Dann wäre für die Ferkel nichts gewonnen, aber deutsche Betriebe wären massiv geschädigt oder zerstört.“

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