Login
Ökologischer Landbau

Bioland fordert eine andere Agrarpolitik

Jan Plagge
Thumbnail
Ulrich Graf, Wochenblatt
am
17.01.2018

Der Verband sieht vor sich die Aufgabe, weiteren konventionell wirtschaftenden Landwirten eine langfristige Perspektive durch Umstellung zu bieten.

Bioland ist 2017 weiter gewachsen. Die nach Verbands-Vorgaben bewirtschaftete Fläche nahm erneut zu, um 13 Prozent (44.491 Hektar). 444 neue Betriebe kamen hinzu. Damit startet Bioland mit 7.305 Mitgliedern und einer Gesamtfläche von 387.980 Hektar ins neue Jahr.

Biolandbau betrachtet damit nicht mehr als Nischenlösung für Wenige, sondern als ein Umbaumodell für die Landwirtschaft in Deutschland. Dafür, so Jan Plagge, Präsident von Bioland, brauche es aber eine neue kluge Agrarpolitik“.

Kein Weiter so

Der Anbauverband hat CDU, CSU und SPD aufgefordert, bei Aufnahme von Koalitionsverhandlungen die Neuausrichtung der Agrarpolitik im Koalitionsvertrag zu verankern. „Ein ‚Weiter so‘ in der Agrarpolitik bedeutet Rückschritte beim Natur- und Umweltschutz“, so Plagge. Landwirtschaft sei untrennbar verknüpft mit Umwelt, Klima, Tierwohl und Artenschutz. Für eine Trendwende fordert der Verband folgende Punkte im Koalitionsvertrag zu verankern:

  • Pestizid-Reduktionsprogramm. Den Nationale Aktionsplan Pflanzenschutz betrachtet Plagge als gescheitert. Bioland fordert ein Verbot aller Totalherbizide, nicht nur vom Wirkstoff Glyphosat. Zum Schutz von Bienen und der Insektenfauna sollen auch alle Neonicotinoide umgehend verboten werden. Gesetzliche Vorgaben und die Förderpolitik seien so auszurichten, dass Landwirtschaft in der Breite auch ohne chemischen Pflanzenschutz  funktioniert. Eine Pestizid-Abgabe soll gewährleisten, dass von der Allgemeinheit getragene Folgekosten aus der Landwirtschaft gemäß dem Verursacherprinzip auf die verantwortlichen Akteure umgelegt werde.
  • Verpflichtende staatliche Tierhaltungskennzeichnung nach Vorbild der Eierkennzeichnung. Eine Fortführung des freiwilligen Labels von Agrarminister lehnt der Verband ab. Tierbestände in Regionen mit Gülleüberschüssen seien soweit zu reduzieren, dass eine regionale, flächengebundene Tierhaltung erfüllt ist. Jegliche Fördergelder seien an einen maximalen Viehbesatz von zwei Großvieheinheiten pro Hektar und Jahr zu binden. Zudem würden die in den Sondierungsgesprächen geplanten zusätzlichen Finanzmittel von 375 Mio. Euro jährlich nicht ausreichen, um einen Umbau der Tierhaltung zu finanzieren. Der Wissenschaftliche Beirat nennt eine Größenordnung von 3 bis 5 Milliarden Euro pro Jahr.
  • Rerform der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP). Sie bestimme maßgeblich, wie in Europa Landwirtschaft betrieben wird. „Steuergelder sollen sinnvoll steuern." sagt Plagge. Das würden seiner Ansicht nach die pauschalen Direktzahlungen nach dem Gießkannenprinzip nicht tun. Die EU-Agrarzahlungen, so seine Froderung, müssten künftig den Landwirten zugutekommen, die sauberes Wasser und eine hohe Artenvielfalt sicherstellen würden, Klima- und Tierschutz auf höchstem Niveau betreiben würden und so wertvolle Lebensmittel erzeugen würden. Die Reform der GAP biete hier eine große Chance.
  • 20 Prozent Biolandbau. Das Ziel aus der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung müsse endlich angepackt werden, denn bisher würden erst acht Prozent der landwirtschaftlichen Fläche in Deutschland ökologisch bewirtschaftet. „Die Umsetzung der Zukunftsstrategie ökologischer Landbau (ZÖL) benötigt deutlich mehr Finanzmittel. Das gilt sowohl für die Aufstockung des Bundesprogramms ökologischer Landbau auf 60 Millionen Euro als auch für die Agrarforschung. Hier sind 20 Prozent für den Biolandbau zu reservieren“, konkretisiert Plagge. Aktuell würden 1,5 Prozent der Agrar-Forschungsmittel für Bio verwendet.
  • Praxistaugliches Gentechnikgesetz. Es soll ein Anbauverbot von GVO auf nationaler Ebene rechtssicher garantieren. Die Bundesregierung müsse sich auf europäischer Ebene dafür einsetzen, dass neue gentechnische Verfahren wie CRISPR-CAS auch als Gentechnik eingestuft würden und es zu keiner vorzeitigen nationalen Inverkehrbringung kommt. Entwicklern und Anwendern gentechnischer Organismen müssten die Kosten für Nachweis und die Vermeidung von gentechnischen Kontaminationen tragen. Sie dürfen nicht den gentechnikfrei wirtschaftenden Akteuren aufgebürdet werden, so der Verband.
Auch interessant