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Deutscher Bauerntag

Blick nach vorne

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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
07.07.2016

Hannover - Der Deutsche Bauerntag hat ein Signal gesetzt: Ja, es ist Krise, aber wir schaffen das.

Simon Michel-Berger

Unvergessen ist mir der Besuch einer Diskussion zur Agrarpolitik vor einiger Zeit. Dort wurde so viel über die Probleme geredet, dass am Ende ein Junglandwirt aufstand und sagte: „Wenn wirklich alles so schlimm ist, dann habt ihr mir heute ein gutes Stück der Freude, Bauer zu sein, kaputt gemacht.“

Der Deutsche Bauerntag hat ein anderes Signal gesetzt: Ja, es ist Krise, aber wir schaffen das. Was für den einen vielleicht ein Stück weit nach Durchhalteparole klingt, ist auf jeden Fall auch ein wichtiges Signal. Wer zeigen kann, dass er in einer vorübergehenden Krise steckt, kann mit mehr Unterstützung aus der Politik rechnen als jemand, der sagt es ist schon alles zu spät.

Wie weit die Politik letztlich liefert muss sich zeigen. EU-Agrarkommissar Phil Hogan hat verhalten von „neuen Maßnahmen“ gesprochen. Beim nächsten Agrarrat am 18. Juli sollen sie vorgestellt werden. Wie viel Geld wird dabei herauskommen?

Der Haushaltsvoranschlag der EU-Kommission für 2017 sieht im Agrarbereich derzeit einen Überschuss von 1,28 Milliarden Euro vor. Davon sind jedoch bereits 650 Millionen Euro verplant – für die Bewältigung der Flüchtlingskrise. Den Rest könnte Hogan also ausgeben.

Es ist gut, wenn die EU Flüchtlingen helfen will. Aber muss dazu wieder einmal der „Steinbruch“ Agrarbudget herhalten? Und wie schaut es bei einer anderen Baustelle, der Vereinfachung in der Agrarpolitik, aus? Viele Ankündigungen hat Hogan gemacht, jetzt müsste er so langsam einmal liefern.

Er ist hier allerdings nicht allein, auch die EU-Länder müssen ihren Teil beitragen. Wenn der deutsche Landwirtschaftsminister auf dem Bauerntag sagt, „Danke, Phil, dass wir bald eine Lösung finden werden“, ist das nur die halbe Miete. Der „liebe Phil“ wird nicht alle Probleme der Bauern lösen. Da gehören schon auch der „liebe Christian“ und ein paar Leute mehr dazu.

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