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Elefantenhochzeit

Was bringt uns Bayer-Monsanto?

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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
12.04.2018

Auch die amerikanischen Behörden stimmen einer Fusion der beiden großen Unternehmen wohl zu. Was bedeutet der Zusammenschluss für die Bauern hierzulande und wie sieht die Politik das Thema?

Bayer Monsanto

Die Übernahme von Monsanto durch die Bayer AG rückt immer näher. Wie amerikanische Medien am Montag berichteten, wird auch das amerikanische Justizministerium unter Auflagen seinen Segen geben. Nach siebenmonatiger Prüfung hat bereits vor gut drei Wochen auch die EU-Kommission grünes Licht gegeben (wir berichteten). Damit hat das Unternehmen eine weitere wichtige kartellrechtliche Hürde genommen. Doch was ist mit Befürchtungen, dass dadurch zu viel Marktmacht in den Händen eines Konzerns gebündelt wäre?

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager verweist auf zahlreiche Nachbesserungen mit einem Gesamtwert von über 6 Mrd. €, die das Leverkusener Unternehmen leisten müsse. Außerdem betont die Behörde, dass die Fusion im Lichte der bereits erfolgten Zusammenschlüsse von Dow und DuPont sowie von ChemChina und Syngenta bewertet worden sei.

Mehr Innovation?

Auf die Folgen einer Fusion von Bayer und Monsanto für die Landwirte in Bayern angesprochen sagte  Dr. Helmut Schramm, Geschäftsführer von Bayer CropScience: „Änderungen für die Landwirte hierzulande wird man mit der Lupe suchen müssen. Wir werden aufgrund kartellrechtlicher Auflagen insbesondere unser Gemüsesaatgut und das Rapssaatgut abgeben müssen, außerdem unser Herbizid Basta und Forschungsprojekte in der Weizenzüchtung und bei einigen Herbiziden. Die Produkte werden dem Markt aber voraussichtlich erhalten bleiben. Die Konkurrenz auf dem deutschen Markt ist so stark, dass die Hersteller auch weiterhin alles dafür tun werden den Landwirten die Produkte zu liefern, die sie brauchen.“

Wichtiger werden laut Schramm die künftigen Auswirkungen sein: „Wenn Landwirte immer weniger Wirkstoffe haben, um gegen Pflanzenkrankheiten, Schadinsekten und Unkräuter vorzugehen, liegt das heute vor allem an der mangelhaften Zulassungspraxis. Die gesellschaftliche Akzeptanz von Pflanzenschutzmitteln ist leider nicht gut – insbesondere auch durch die Politisierung von Zulassung und die Kampagnen einiger NGOs. Wir investieren weiterhin große Summen in Forschung und Entwicklung neuer Wirkstoffe, doch gerade in Deutschland stehen wir, wenn es um die Zulassung geht, am Ende oft vor verschlossenen Türen. Die Fusion wird uns helfen, hier international wettbewerbsfähig zu bleiben. Wir gehen nicht mit Monsanto zusammen, um billiger zu produzieren, sondern um noch innovativer zu werden.“

Auf künftige Entwicklungen angesprochen sagte der Geschäftsführer: „Wir werden den Landwirten verstärkt Lösungen anbieten können, in denen wir zum Beispiel Pflanzenschutz, Saatgut und die Möglichkeiten digitaler Landwirtschaft kombinieren. Die Vielfalt der Angebote wird für die Landwirte dabei aber auch nach der Fusion nicht verloren gehen. Im Gegenteil – die Vielfalt wird sogar eher zunehmen. Zudem wird es im Markt weiterhin starke Wettbewerber und eine ausgeprägte Konkurrenzsituation geben.“

Monopolisierung?

Kritischer sieht man die Lage bei Naturland, dem internationalen Verband für ökologischen Landbau. Dessen Präsident Hubert Heigl sagte: „Die Elefantenhochzeit von Bayer und Monsanto wirft ein Schlaglicht auf eines der Grundprobleme der konventionellen Landwirtschaft: die zunehmende Abhängigkeit von Agrarchemiekonzernen. Das Modell Bayer-Monsanto steht für ein System, das im einzelnen Bauern nur noch den zahlenden Empfänger eines trügerischen Rundum-Sorglos-Pakets aus industrieeigenem Saatgut und speziell darauf abgestimmtem Pflanzenschutz sieht.“

Heigl betonte: „Öko-Bauern entscheiden sich bewusst gegen dieses Modell. Sie verzichten auf die chemisch-synthetischen Allheilmittel der Industrie und vertrauen stattdessen auf ihre eigenen Fähigkeiten als Ackerbauern. In der Tierhaltung verzichten sie auf Importsoja aus Übersee und setzen stattdessen auf regionale Futterkreisläufe und konsequente Flächenbindung. Damit schützen Öko-Bauern nicht nur die Umwelt, sondern sichern zugleich ihre Unabhängigkeit von der agrochemischen Industrie.“

Dennoch sei die Fusion von Bayer und Monsanto laut Heigl auch aus Sicht des Öko-Landbaus kritisch zu sehen. Es stehe zu befürchten, dass mit der Fusion auch eine zunehmende Monopolisierung im Bereich der Forschung einhergehe, etwa was die Saatgutentwicklung betreffe. Die Investition in unabhängige Agrarforschung sei deshalb eine der dringlichsten Aufgaben der neuen Bundesregierung. Sowohl konventionelle als auch Öko-Bauern würden gleichermaßen davon profitieren.

Eher Vorteile?

Weniger Folgen für die heimische Landwirtschaft erwartet die BayWa AG. Eine Sprecherin teilte dem Wochenblatt mit: „Bezogen auf das Pflanzenschutzgeschäft sehen wir keine Auswirkungen der Übernahme von Monsanto durch die Bayer AG. Ein kombinierter Verkauf von gentechnisch verändertem Saatgut, das tolerant gegenüber Glyphosat ist, und Glyphosat ist in der EU nicht möglich. Im Einkauf glyphosathaltiger Produkte gibt es genügend Wettbewerber am Markt.

Offen ist außerdem, wie lange der Glyphosateinsatz überhaupt noch möglich sein wird. Bezogen auf die Entwicklung der Bayer AG im Saatgutsortiment generell sowie im Bereich Digital Farming – Monsanto ist hier schon sehr weit – stärkt die Übernahme die Rolle der Bayer AG für die Landwirtschaft. Dies gilt aber auch für die BASF, welche nun Saatgut in Europa anbietet.

Marktkonzentration?

Hermann Greif,  Präsident des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) Oberfranken, und Vorsitzender des BBV-Landesfachausschuss für pflanzliche Erzeugung und Vermarktung zeigt sich besorgt: „Der Ackerbau in Bayern ist geprägt durch standortangepasste Sorten und Saatgut von heimischen Züchtern. Genau diese Strukturen, aber auch der Wettbewerb bei Betriebsmitteln beleben unsere erfolgreiche Betriebskultur. Bäuerliche Familienbetriebe müssen vor der Übermacht einzelner Konzerne geschützt werden. Das ist die Aufgabe der Kartellbehörden in der EU und in Deutschland.

Der Bauernverband sieht die weitere Marktkonzentration in diesem Bereich mit Sorge und begrüßt deshalb die Auflagen der EU-Kommission für die geplante Fusion. Auf diesem Weg sollen Überschneidungen in einzelnen Geschäftsfeldern verhindert werden. Doch es geht nicht nur um Saatgut und Pflanzenschutzmittel. Die Möglichkeiten der digitalen Landwirtschaft sind enorm und durch den Zusammenschluss mit Monsanto könnte sich Bayer Vorteile auch gezielt auf diesem Feld sichern. Diese Strategie darf keinesfalls zu Lasten der Bauern gehen. Denn: die Daten vom Acker gehören uns!“

Alles ungewiss?

Noch zu keiner Beurteilung in der Lage sieht man sich hingegen beim Bayerischen Landwirtschaftsministerium. Gegenüber dem Wochenblatt bezeichnete ein Sprecher die Situatino als „schwer einzuschätzen“. Zu den möglichen Folgen einer Fusion wolle man sich daher zum jetzigen Zeitpunkt nicht äußern.
Die Fusion soll unterdessen bald erfolgen. Bis zum 2. Quartal 2018 könne sie laut Bayer und Monsanto unter Dach und Fach sein.

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