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Europäische Union

Die Briten sind draußen

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Ulrich Graf, Wochenblatt
am
24.06.2016

München - Die meisten Branchenorganisationen bedauern das Votum der Briten für einen EU-Austritt.

„Europa ist nicht nur unser Markt, sondern politische Verpflichtung und Verantwortung zugleich. Deshalb sehen die deutschen Bauernfamilien das britische Votum für den Brexit mit allergrößter Sorge um die Stabilität und Einigungskraft der Gemeinschaft“, kommentiert der Präsident des Deutschen Bauernverbands (DBV), Joachim Rukwied das Ergebnis der Volksabstimmung über einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Es sei mehr als bedauerlich, dass die europäische Idee durch populistische Kampagnen in so großem Maß Schaden nehmen konnte. „Auch wenn in erster Linie die britische Bevölkerung, darunter auch die britischen Landwirte, die wirtschaftlich Leidtragenden sein werden, so bleibt doch der politische und gesellschaftliche Schaden bei der gesamten EU“, stellt Rukwied fest. Für Deutschland ist Großbritannien auch bei Agrarprodukten und Lebensmitteln ein wichtiger Handelspartner. Beide Länder verbinden auch in Fragen der Agrarpolitik gleichgerichtete Vorstellungen. Das Votum der britischen Bevölkerung sei allerdings kein Betriebsunfall, sondern Ausdruck eines in vielen Ländern schon länger vorhandenen Verdrusses über die Europäische Union. „Es bleibt zu hoffen, dass die politisch Verantwortlichen in den europäischen Hauptstädten wie in Brüssel die Botschaft verstanden haben und die europäische Idee nicht bürokratisch verwalten, sondern im Sinne der Menschen in Europa gestalten“, so Rukwied. "Der Brexit ist kein gutes Zeichen für Europa, es ist aber auch nicht der Anfang vom Ende", interpretiert der Milchindustrie-Verband das knappe Ergebnis des Referendums. Auch morgen gelte zunächst weiter das Binnenmarktprinzip und die Verhandlungen um den Austritt würden sich lange hinziehen. Entscheidend werde die Gestaltung der Handelsbedingungen der Zukunft sein. „Das Vereinigte Königreich ist und bleibt Mitglied in der Welthandelsorganisation WTO und damit gemeinsamen Spielregeln verpflichtet“, sagt Eckhard Heuser, Geschäftsführer des Milchindustrie-Verbandes in Berlin.
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