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Natura 2000

Bürokratie - miteinander reden

Dieser Artikel ist zuerst im Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt erschienen.

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Naturschutzfläche
Dem Naturschutz dient Wildnis nicht automatisch am besten. Viele Tier- und Pflanzenarten brauchen eine Bewirtschaftung der Flächen, um überleben und gedeihen zu können. © imago/blickwinkel
von am
08.02.2018

Viele Tier- und Pflanzenarten brauchen eine Bewirtschaftung der Flächen, um überleben und gedeihen zu können.

Simon Michel-Berger
Ein Kommentar von Simon Michel-Berger, Stellvertretender Chefredakteur, Simon.Michelberger@dlv.de © Archiv

Zunächst einmal sind Natura 2000 und die dahinter stehende Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie eine Erfolgsgeschichte des Umweltschutzes. Doch eine wichtige Erfahrung haben die letzten gut 25 Jahre auch gebracht: Dem Naturschutz dient Wildnis nicht automatisch am besten. Viele Tier- und Pflanzenarten brauchen eine Bewirtschaftung der Flächen, um überleben und gedeihen zu können. Weil man aber niemand dazu zwingen kann, braucht der Naturschutz die Zusammenarbeit mit Grundbesitzern und Bewirtschaftern.

Bei allem Lob für Natura 2000 darf man nicht übersehen, welche Blüten der gewaltige Verwaltungsapparat dahinter im Laufe der letzten Jahre getrieben hat. Beispiele gibt es viele: Enten, deren Bestand nicht kontrolliert werden darf, die durch ihren Kot aber Parasiten in Badegewässer eintragen, welche wiederum gesundheitliche Probleme bei kleinen Kindern auslösen. Feldwege, die nicht in Stand gesetzt werden dürfen oder mit pH-neutralem Kies, der aus großen Entfernungen herangekarrt werden muss, aufgeschottert werden. Grundeigentümer, die bestraft werden, weil sie nicht jederzeit über alle schützenswerten Dinge auf ihrem Boden genau Bescheid wissen – obwohl Biotopkartierer über ihre Flächen laufen, dann aber nichts von den Funden mitteilen. Tierfreundliche Ställe, die nicht oder nur mit großen Auflagen gebaut werden dürfen.

Das sind nur ein paar Beispiele, die eines klar zeigen: Wann immer Verwaltung und Betroffene nicht intensiv und immer wieder miteinander reden, können Fälle entstehen, bei denen der Einzelne von den Mühlen einer mächtigen Bürokratie zermahlen wird. Beide Seiten müssen darum immer wieder das Gespräch suchen, um solche „Blüten“ zu vermeiden. Für die Bauern und Forstwirte vor Ort ist es dabei entscheidend, sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen. Einigkeit macht stark und schützt vor Einzelfällen, die hinterher alle nur bedauern können.

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