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Verantwortung

Demonstration als Ablass für Überzeugung

Demonstration
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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
11.10.2018

Vergangenen Samstag haben rund 15.000 Menschen in München gegen Umweltverschmutzung und für eine andere Landwirtschaft demonstriert.

Simon Michel-Berger

Ich finde das klasse. Ökologie, bäuerliche Landwirtschaft, Nachhaltigkeit, Umweltschutz und vielfältige Kulturlandschaft sind alles Dinge, die mir auch gefallen. Und als dann noch verschiedene Bands gespielt haben, da gingen die Smartphones zum Filmen hoch und alle fühlten sich als Teil einer großen, guten Gemeinschaft.

Schade nur, dass all die schönen Dinge, für die die Demonstranten auf die Straße gingen, schon hätten erreicht werden können, wenn die Menschen es wirklich gewollt hätten. Saubere Luft und Klimaschutz? Kein Problem mit Fahrverboten wie damals 1973. Dritte Startbahn? Wäre der Münchner Flughafen noch immer in Riem, hätte nicht einmal das Erdinger Moos, wohin der Flughafen 1992 umgezogen ist, großflächig zugebaut werden müssen. Ob dann der liebgewonnene Kurztrip per Flugzeug nach London oder Paris noch möglich wäre, steht auf einem anderen Blatt.

Und eine bäuerliche Landwirtschaft, die den Erzeugern ein faires Auskommen sichert? Vor dem Aldi bei mir zu Hause im Ort stehen jeden Morgen Massen an Menschen aller sozialen Schichten und warten darauf, sich mit billigen Eigenmarken eindecken zu können – Bioprodukte aus Ländern außerhalb der EU inbegriffen. Würden all diese Leute stattdessen in den Biosupermarkt 300 Meter weiter gehen, dann... Aber in dessen leeren Gängen erschrickt man eher, wenn man doch mal einen anderen Menschen sieht. So ungewohnt ist dort der Anblick anderer Kunden.

So bleibt die Kundgebung vom Samstag ein Treffen von Menschen die an ihre Überzeugung glauben, mit solchen, die sich einen Ablass holen und ihr Gewissen beruhigen. Schöne neue Agrarpolitik.

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