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Milchgipfel

Dialog im Sand

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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
08.06.2017

München - Zuerst ein schönes Zitat für alle Milchbauern: „Mein Ziel ist die gerechte Verteilung des Preisrisikos. Im Moment zahlen unsere Bauern allein die Zeche, Handel und Molkereien verdienen weiter.“ So sprach Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt anlässlich des ersten Milchgipfels im Mai 2016.

Simon Michel-Berger

Geliefert hat der Minister seitdem seine „100 Millionen + X“ an Unterstützung für die Bauern. Das ist gut. Völlig im Sande steckt er hingegen mit seinen Bemühungen, einen von den Wirtschaftsbeteiligten getragenen Branchendialog Milch ins Leben zu rufen. Was stand hier nicht alles zur Diskussion: Eine gemeinsame Absatzförderung, eine Branchenorganisation Milch, ja sogar eine strategische Rohstoffplanung.

Was kam dann heraus? Immerhin wurde eine Interessengemeinschaft Genossenschaftliche Milchwirtschaft gegründet. Von echten Neuerungen in den Lieferbeziehungen sind wir hingegen genauso weit weg wie 2016. Schmidts damalige Forderung „ein Weiter-so kann und wird es nicht geben“ klingt heute so: „Ich werde mit Interesse sehen, wie die Entwicklung in der Branche sich in den nächsten Jahren selbst ergibt.“

Ehrlicherweise muss man sagen, dass es keine Milchkrise verhindern wird, wenn zum Beispiel in den Lieferverträgen auch Mengen enthalten sind. Das sieht auch das Kartellamt so. Aber gewisse Verbesserungen für die Erzeuger könnte es durchaus bedeuten. Die Diskussion über modernere Lieferbeziehungen ist jedoch landauf, landab bereits wieder im Dämmerschlaf versunken.

Im Übrigen bleibt das eigentliche Problem, die Marktmacht des Lebensmitteleinzelhandels, auf Bundesebene weiter außen vor. Wenn das Kartellamt hergehen und ein paar Handelskonzerne aufbrechen würde, könnte sich daran vielleicht etwas ändern. Doch erleben werden wir alle so etwas nicht mehr. Stattdessen erteilt die Politik lieber Sondergenehmigungen für Fusionen.

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