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Kundgebung

Dialog statt Protest – Wir machen Euch satt 3.0

Friedericke Krick
am
13.01.2017

Berlin - Landwirte suchen den Dialog mit Verbrauchern und treffen sich dazu am 21. Januar um 9.00 Uhr in Berlin zu einer zentralen Kundgebung auf dem Washingtonplatz. Parallele Informationsveranstaltungen sind für ganz Deutschland in Vorbereitung.

wir machen euch satt

Die Mit-Initiatoren der Initiative „Frag` den Landwirt“ rufen 2017 bereits zum dritten Mal zur Teilnahme an der Kundgebung „Wir machen euch satt“ (Wmes) in Berlin auf, die in diesem Jahr das Motto „Dialog statt Protest“ trägt. „Der Dialog ist uns sehr wichtig“, sagte dazu Marcus Holtkötter, Landwirt aus Altenberge am 12. Januar vor der Berliner Presse. „Es ist die logische Fortführung unserer Bemühungen, das ganze Jahr über mit den Verbrauchern ins Gespräch zu kommen und diesen unsere Wirtschaftsweise zu erläutern.“ „Wir haben das Thema Dialog sehr bewusst gewählt und wollen damit auch einen Gegenpol zu der Demonstration „Wir haben es satt“ setzen, die am selben Tag an anderer Stelle stattfindet“, ergänzte Nadine Henke, Tierärztin und Landwirtin aus Bruchhausen-Vilsen.
Die konventionell und biologisch wirtschaftenden Betriebe hinter der Aktion „Dialog statt Protest“ nehmen die Kritikpunkte an der eigenen Wirtschaftsweise ernst. Mit den Menschen, die hinter dieser Kritik stehen, aber auch mit den überwiegend interessierten und zufriedenen Verbrauchern, möchte man den Dialog beginnen, weiterführen und ausbauen. „Dies geschieht bereits ganzjährig in unzähligen regionalen Aktionen, bei denen wir beispielsweise interessierte Menschen auf unsere Höfe einladen. Dort erklären wir, wie unsere Landwirtschaft der Garant für eine sichere Versorgung mit gesunden und gleichzeitig preiswerten Lebensmitteln ist. Diesen hohen Standard gilt es zu erhalten und weiterzuentwickeln, führte Bernhard Barkmann, Landwirt aus Messingen (Emsland) und aktiver Blogger aus.

Unvergleichliche Vielfalt

Henke, Holtkötter und Barkmann bezeichnen sich selbst als Teil eines sehr großen Netzwerkes, zu dem die unterschiedlichsten Betriebsrichtungen zählen. Dies seien tierhaltende Betriebe, reine Ackerbaubetriebe, Gemüse- und Obstanbauer, Winzer, Schäfer oder Gärtner, biologisch oder konventionell wirtschaftende, große und kleine Betriebe. Die Agrarindustrie sei nicht der Feind dieser Betriebe, sondern ein Geschäftspartner. Die deutschen Landwirte würden nachhaltig wirtschaften, schon allein deshalb, um die Böden und natürlichen Ressourcen für nachfolgende Generationen zu erhalten. Die Umwelt liege der Landwirtschaft dabei ebenso am Herzen wie das Tierwohl, „denn wir lieben unsere Tiere“.

Veränderungen gemeinsam gehen

Die Landwirtschaft akzeptiere, dass sich die Erwartungen der Gesellschaft an eine bäuerliche Produktionsweise änderten. Die Landwirtschaft würde neue Wege aber gerne MIT den Menschen beschreiten. Und zwar in einer Weise, die die „Erfolgsgeschichte Landwirtschaft“ nicht zerstöre, sondern diese weiterentwickele und optimiere. Nur so könnten einerseits die Rundum-Versorgung mit sicheren Lebensmitteln und andererseits ausreichende Einkommen für die landwirtschaftlichen Familien gewährleistet werden. „Die Befürworter einer radikalen Agrarwende treiben in unseren Augen ein unverantwortliches Glücksspiel mit mehr als unsicherem Ausgang“, sagte Holtkötter.
Die Protestgruppen rund um „Wir haben es satt“ hätten keine wirklich konkreten Alternativen im Gepäck. Häufig widersprächen sie sich sogar in ihren Forderungen. So könne beispielsweise kein Tierhalter ernsthaft gemeinsam mit einem Tierrechtler oder Veganer gegen `irgendetwas´ protestieren, da diese die landwirtschaftliche Tierhaltung in Gänze abschaffen wollten. Ganz sicher könne aus solchen Allianzen kein tragbares Konzept für eine zukunftssichere Lebensmittelerzeugung erwachsen.
„Die `richtigen´ Bäuerinnen und Bauern werden Sie am 21. Januar auf dem Washingtonplatz und nicht am Potsdamer Platz treffen“, so Bernhard Barkmann. „Sie werden jedoch ohne Gummistiefel und Melkeimer kommen. So sind unsere jungen, gut ausgebildeten Landwirtinnen und Landwirte nicht. Sie kommen auch nicht mit der Mistgabel, sondern mit Argumenten, mit denen sie für ihren Berufsstand und ihre eigene Zukunft werben möchten. Man könnte auch sagen, die einen haben das Frühstück, die Bauern dazu sind bei uns.“

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