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Politischer Aschermittwoch

Diskutieren und Nachdenken

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Sepp Kellerer, Wochenblatt
am
02.03.2017

München - Regionalprodukte statt Bauernregeln. Auf diesen einfachen Nenner lassen sich die Aktionen bringen, die der Bayerische Bauernverband diese Woche zum politischen Aschermittwoch der Parteien in Niederbayern gestartet hat.

Sepp Kellerer

Vor allen Veranstaltungslokalen waren Bäuerinnen und Bauern präsent und haben die Produkte überreicht. Sie haben die Gelegenheit aber auch genutzt, um mit Nachdruck darauf hinzuweisen, dass Bäuerinnen und Bauern einen fairen Dialog erwarten dürfen.

Vor den Lokalen hat das gewirkt. Alle anwesenden Spitzenpolitiker haben sich die Zeit genommen, um mit den Bauern zu reden, um Positionen und Argumente auszutauschen (Seite 13). Wie es drinnen in den Sälen ausgesehen hat, was ehrlich gemeint war und was nach Sonntagsreden klang, das steht schon wieder auf einem anderen Blatt. Aber ein Anfang ist gemacht und steter Tropfen höhlt den Stein.

Man ist schon mal ins Gespräch gekommen, jetzt muss man im Gespräch bleiben. Das gilt aber nicht nur für die Spitzenpolitiker und die Verbandsspitze, das gilt für jeden von Ihnen, liebe Leser. Es wird Ihnen nichts anderes übrig bleiben, als mit den Mitmenschen in Ihrem Umfeld zu reden, wieder und immer wieder. Sie werden erklären müssen, was Sie tun, wie Sie es tun und warum Sie es tun. Sie dürfen dabei auch klar sagen, wann und wodurch Sie sich angegriffen, verunglimpft fühlen. Sie werden dann wahrscheinlich gar nicht so selten hören: „Ja, Du warst ja gar nicht gemeint.“

Genau das ist der Punkt. Viele Menschen, die keinen direkten Kontakt mehr haben zur Landwirtschaft, sind von der veröffentlichten Meinung geprägt. Sie sind nie auf den Gedanken gekommen, die Fernsehbilder in ihrer Umgebung zu überprüfen. Und wenn sie es doch einmal tun, dann sind sie überrascht, dass das in der gelebten Praxis doch ganz anders aussieht.

Es gibt aber auch in diesem Zusammenhang die andere Seite der Medaille. Man sollte sich und sein Tun immer mal wieder auf den Prüfstand stellen. Man muss dabei nicht von vornherein das Büßerhemd anziehen und in Selbstgeißelung verfallen – auch wenn jetzt die Fastenzeit begonnen hat. Es ist aber auch nicht verboten, anzuerkennen, dass sich Rahmenbedingungen geändert haben, dass es neue Erkenntnisse gibt, und dass dies zu Weiterentwicklungen in den Abläufen auf dem Betrieb und in seiner Ausrichtung führen kann. Viel Erfolg beim Diskutieren und beim Grübeln.

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