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Silberstreif

Wann dreht der Milchmarkt?

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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
23.06.2016

München - Endlich gibt es Anzeichen von Bewegung!

Simon Michel-Berger

Ich meine damit nicht die deutsche Agrarpolitik, die sich dieser Tage gerne in Diskussionen verliert, ob eine von der EU verordnete Milchmengensteuerung lieber ein bisschen früher oder ein bisschen später eingeführt werden sollte – und dabei gerne ignoriert, wie schwierig es sein wird, dafür eine Mehrheit auf EU-Ebene zu bekommen.

Nein, ich rede von der Entwicklung am globalen Milchmarkt: Endlich darf gehofft werden, dass die Erzeugerpreiskrise langsam zu Ende geht. Der wichtige Global Dairy Trade Index, eine Annäherung an einen hypothetischen Weltpreis für Milch, zeigt seit April 2016 beständig nach oben. Auch der neuseeländische Milchkonzern Fonterra kündigte kürzlich an, eine Trendwende in den nächsten sechs bis zwölf Monaten zu erwarten.

Eine ausreichend gute Nachricht ist das natürlich nicht. Noch immer sind die Erzeugerpreise für die Milch und viele andere Produkte zu niedrig. Selbst wenn bei den nächsten Preisverhandlungen der Molkereien mit dem Handel im Herbst etwas bessere Zahlen herauskommen bleibt die Frage, wann es den Erzeugern spürbar besser gehen wird.

Die Bauern brauchen weiterhin die Politik: Sie muss den stabilen Rahmen vorgeben, um künftig besser mit Preiskrisen wie der heutigen umzugehen. Ein Element ist sicher die steuerfreie Risikoausgleichsrücklage. Ein anderes ist, die Wirksamkeit der EU- Intervention zu überprüfen.

Doch es liegt nicht nur an der Politik. Wenn die Erzeuger und ihre genossenschaftlichen Molkereien sagen, „wir kriegen die Menge nicht in den Griff“ und nach dem Staat rufen, ist das zu wenig. Die Marktbeteiligen müssen sich heute Gedanken über Marktstrukturen und Lieferbeziehungen machen und handeln. Das kann auch partnerschaftlich und langfristig denkend geschehen. Denn die nächste Krise kommt bestimmt.

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