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Sauenhaltung

Drei vor 12 für Sauenhalter in Bayern

Schwein
BBV
am
20.09.2018

Lokale Betäubung bei Ferkelkastration ist der Weg für praktikablen Tierschutz

Auf der Tagesordnung des Bundesrates am 21. September 2018 steht die Entscheidung, ob die Frist für eine betäubungslose chirurgische Kastration männlicher Ferkel verlängert werden soll. Für die bayerischen Sauenhalter steht viel auf dem Spiel, denn bislang fehlen praxisreife Methoden zur Umsetzung. Der Bauernverband setzt sich für die Kastration unter lokaler Betäubung ein und hat dies auf einem Pressegespräch mit Partnern am Montag in München noch einmal deutlich herausgestellt. Auf dem Podium saßen neben Bauernpräsident Walter Heidl auch Konrad Ammon (Vizepräsident des Deutschen Fleischerverbandes und Landesinnungsmeister des Fleischerverbandes Bayern), Dr. Andreas Randt (Leiter des Tiergesundheitsdienstes Bayern) und der Humanmediziner Prof. Dr. Helmut Friess (Direktor der Klinik für Chirurgie am Klinikum Rechts der Isar in München).
„Wir haben uns jahrelang intensiv bemüht, trotzdem ist die Lokalanästhesie für die Ferkelkastration bislang nicht zugelassen“, sagte Heidl gegenüber Medienvertretern. „Die Fristverlängerung würde uns die notwendige Zeit geben, dass die Methode in Deutschland endlich zugelassen wird. Der vierte Weg ist das Mittel der Wahl für praktikablen Tierschutz. Doch dies sehen leider nicht alle so. Ich verstehe nicht, warum diese Methode in Deutschland keine Chance bekommt, wohingegen sie in Schweden und Dänemark als tierschutzgerecht anerkannt und praktiziert wird“, sagte Heidl.
Eine Ablehnung der Fristverlängerung würde das Aus für viele bayerische Sauenhalter bedeuten. Mangels Zulässigkeit der anderen Verfahren wären bayerische Ferkelerzeuger gezwungen, die Ferkelerzeugung aufzugeben. Gleichzeitig würden dann Ferkel insbesondere aus Dänemark rund 1000 km quer durch Deutschland nach Bayern transportiert, um hier gemästet zu werden. Dabei werden die Ferkel dort unter lokaler Betäubung kastriert, also genau der Weg, der auch in Bayern notwendig wäre. „Das wäre ein Bärendienst für den Tierschutz. Es ist drei vor 12 sowohl für den Tierschutz als auch für die regionale Schweinefleischerzeugung. Ohne bayerische Ferkel wird es auch kein bayerisches Schweinefleisch geben. Das müssen wir verhindern! Gerade weil wieder viele Verbraucher regionale Lebensmittel wertschätzen und gezielt danach suchen“, sagte Heidl.
Auch Konrad Ammon vom Fleischerverband Bayern betonte, wie wichtig regionales Schweinefleisch ist. „Unsere Kunden an der Ladentheke fragen gezielt nach regionalen Fleisch- und Wurstprodukten, insofern können und wollen wir nicht auf regionales Schweinefleisch verzichten. Zu einem starken regionalen Metzgerhandwerk gehören auch Tiere aus der Region.“ Sollten die regionalen Wertschöpfungsketten zerstört werden, sieht Ammon die Rohstoffversorgung der regionalen Metzger auf dem Spiel stehen. „Ohne Schweinefleisch können wir viele Produkte nicht mehr herstellen und müssten auf Ersatzprodukte zurückgreifen“, so Ammon. Die lokale Betäubung sieht der Landesinnungsmeister als Weg an, die Ansprüche der Verbraucher und des Tierschutzes zusammenzuführen. Über den Einsatz der Lokalanästhesie in der Tier- und Humanmedizin lesen Sie auch den Beitrag auf Seite 13.
Die Sorgen der Sauenhalter – von Ferkelkastration bis zu neuen Haltungsvorgaben bei Kastenstand und Abferkelbereich – sowie die Sorgen aller Schweinehalter vor der heranrückenden ASP waren auch Thema beim BBV-Landesfachausschuss für tierische Erzeugung und Vermarktung am Mittwoch und beim dieses Jahr in Bayern stattfindenden DBV-Veredlungstag am Donnerstag.
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