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Zulassung von Pflanzenschutzmitteln

EFSA-Direktor Url betont Unabhängigkeit seiner Behörde

Pflanzenschutz
aiz
am
13.04.2017

Brüssel - Der Direktor der Europäischen Lebensmittelbehörde (EFSA), Bernhard Url, wehrte sich gegen die Kritik von Umweltgruppen, die Gutachten von EFSA würden zu sehr von der Industrie beeinflusst.

Im Agrarausschuss des Europaparlaments betonte der aus Österreich stammende Manager die Unabhängigkeit seiner Behörde. "Die 250 angestellten Wissenschafter der EFSA unterliegen strengen Kriterien und müssen diese in Interessenerklärungen auch belegen", so Url. Um Pflanzenschutzmittel zu begutachten, bemühte sich die Behörde darum, die besten Wissenschafter zu bekommen und auf eine möglichst breite Datenbasis zurückzugreifen.

Dem seien aber Grenzen gesetzt. So müsse der Antragsteller für einen neuen Wirkstoff belegen, dass keine erhöhten Risiken für Gesundheit und Umwelt bestehen. Die Methoden zur Erstellung der Daten entsprechen einem international anerkannten Standard. Die EFSA habe dagegen keine Möglichkeit, eigene Studien zu verfassen und sei deshalb vor allem auf die Untersuchungen der Hersteller und anderer Forschungseinrichtungen angewiesen. Für eigene Analysen fehle seiner Behörde allein schon das Geld, erklärte Url.

Weiterhin kritisierten Umweltverbände, dass die Studien der Hersteller nicht einfach veröffentlicht werden. Das ginge nicht ohne Weiteres, betonte der Direktor. Schließlich hätten die Hersteller Millionen in die Entwicklung neuer Wirtstoffe investiert. Der Zulassungsprozess dürfe also nicht dazu führen, dass das geistige Eigentum der Hersteller durch die Veröffentlichungen verloren ginge. Sonst gefährde man die Forschung.

Geteilte Reaktionen

Urls Ausführungen fanden im Agrarausschuss des EU-Paralments ein geteiltes Echo. Die EU-Abgeordnete Elisabeth Köstinger (EVP) warf Umweltgruppen vor, sie schürten unnötige Ängste und wollten daraus auch noch Vorteile ziehen. John Steward Agnew von den britischen Konservativen betonte, er nutze seit 40 Jahren Glyphosat in seinem Betrieb ohne Schäden und empfahl der EFSA, sich nicht von Umweltgruppen entmutigen zu lassen.

Abgeordnete der Grünen blieben dagegen bei ihrer Kritik an der EFSA. Von Monsanto und anderen Herstellern finanzierte Studien seien einfach nicht vertrauenswürdig, meinte Maria Heubuch. Martin Häusling wies darauf hin, dass auch gefährliche Mittel wie DDT oder Lindan einmal von Wissenschaftern als "sicher" eingestuft wurden. Diese hätten sich seiner Auffassung nach auch zu ihrer Zeit besser informieren können. Der Franzose José Bové forderte zusätzliche Haushaltsmittel für die EFSA, damit diese eigene Untersuchungen finanzieren kann.

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