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Eigenversorgung

Eiweißfutter - alle Jahre wieder...

Sojabohne
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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
29.11.2018

kommt nicht nur das Christuskind, sondern auch ein Vorstoß der EU-Kommission, die Eigenversorgung mit Eiweißpflanzen zu erhöhen.

michel-berger

So geschehen vergangene Woche, als Agrarkommissar Phil Hogan dazu einen Bericht vorgelegt hat.

Zitiert sei an dieser Stelle aus einem Bericht der EU-Kommission von 1973: „[Es ist im Interesse der Gemeinschaft] eine Zunahme der Abhängigkeit von importierten Eiweißprodukten in den nächsten fünf Jahren zu vermeiden.“ Damals musste Europa 80 Prozent seines Bedarfs an Eiweißfuttermitteln importieren. Heute sind es immer noch über 60 Prozent. Wenn es so weiter geht, reden unsere Kinder noch über die Eiweißlücke

Dabei muss man anerkennen, dass die EU einen weiten Weg gekommen ist. Die Initiative Donau Soja und ihr Vorgänger haben gezeigt, dass Sojaanbau auch nördlich der Alpen wirtschaftlich ist. Außerdem ist der Bedarf an gentechnisch unveränderter Soja deutlich gewachsen und lag EU-weit für Rinderfutter schon 2012 bei acht Prozent.

Problematisch bleibt, dass viele notwendige Schritte, um die Eiweißlücke kleiner zu machen, nicht in der Macht der EU-Kommission liegen. Pflanzenzüchtung, Verarbeitungskapazitäten, Verbrauchernachfrage – all das sind Punkte, bei denen man mit den 200 Millionen Euro, die Hogan als Unterstützung für 2019 angekündigt hat, nicht allzu weit kommt. Einfluss nehmen könnte die EU auf die Rahmenbedingungen der Erzeugung von Biokraftstoffen. Hier werden Kraftstoffe auf Basis von Futterpflanzen zunehmend benachteiligt, obwohl das Koppelprodukt Rapsschrot, das bei deren Erzeugung anfällt, einer unserer wichtigsten heimischen Eiweißlieferanten ist. Insofern sehe ich im Vorstoß das langfristige Ziel gut identifiziert. Die Baustelle vor der Haustür – Koppelprodukte – wird aber ignoriert.

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