Login
Editorial

Am Ende zählt das gute Gefühl

Thumbnail
Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
04.05.2017

München - Was sind die schönsten Momente in Ihrem Leben? Gemeinsam etwas mit der ganzen Familie unternehmen? Zu sehen, wie draußen auf den Feldern alles wächst und gedeiht? Oder nach harter Arbeit eine gute Ernte eingefahren zu haben? Die Möglichkeiten sind schier unendlich.

Simon Michel-Berger

Was alle diese Dinge jedoch gemeinsam haben, sind die Gefühle, die sie verbinden. Die Nähe in der Familie oder der Stolz auf die eigene Arbeit sind nur zwei Emotionen, die die Freude an der Landwirtschaft mit ausmachen.

Es sind genau diese Gefühle, die laut aktuellen Untersuchungen (ab S. 51) auch die Städter wollen, wenn sie Urlaub auf dem Bauernhof machen. Saubere, hübsche Zimmer hat heute jedes Bahnhofshotel. Eine schöne Gegend haben die meisten Urlaubsziele zu bieten. Leckeres Essen auch. Das alles ist austauschbar von Sylt bis Berchtesgaden. Was einzigartig ist und was nur bäuerliche Urlaubshöfe anbieten können, ist ein „Hineinschnuppern“ in das Lebensgefühl der Landwirtschaft. Der kleine Junge, der zum ersten Mal selber Hennen füttern darf, wird dieses Erlebnis genauso wenig vergessen wie der Erwachsene, der einmal für einen Tag ein Schäfer sein kann.

Natürlich muss man seinen Gästen auch zuhören und herausfinden, welche Angebote sie wollen. Es bringt nichts, die Besucher mit Möglichkeiten zu überschütten, die sie gar nicht nutzen mögen. Oder Dinge anzubieten, hinter denen die Bauernfamilie nicht steht. Aber nur wenn jeder Urlaubshof seinen ganz eigenen Weg findet und geht, kann er wirklich erfolgreich sein.

Was für das Standbein Urlaub am Bauernhof gilt, gilt übrigens auch für die Landwirtschaft als Ganzes. Einfach nur immer mehr austauschbare Erzeugnisse herzustellen, die jeder Großbetrieb mit dreimal so vielen Hektar oder Tieren noch billiger produzieren kann, ist für die wenigsten Familienbetriebe eine Lösung. Betriebliches Wachstum ist gut und schön, aber wenn das Plus an Umsatz nur gleich wieder an die Zulieferer, Dienstleister oder die Bank geht, ist nichts gewonnen. Zwar dreht sich mehr Geld, aber übrig bleibt davon nicht automatisch mehr.

Viel besser ist es, zu versuchen einen Mehrwert zu schaffen, den nur der eigene Betrieb, nur die eigene Familie leisten kann – weil man sich auf seine Stärken konzentriert, auf das, was Freude macht und wo nicht nur der Kopf sondern auch das Herz ganz bei der Sache ist.

Auch interessant