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Kommentar

Endlich aus der Deckung gehen

Julia Klöckner
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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
03.01.2019

Interview mit Julia Klöckner: Nette Worte, aber wenig Konkretes

michel-berger

Eines muss man Bundesministerin Julia Klöckner lassen: Sie ist ausgesprochen freundlich und lässt sich auf ihr Gegenüber ein. Frustrierender für den Fachjournalisten ist, dass man sich auch nach dem Gespräch mit ihr nicht wirklich klüger fühlt als vorher. Auf jede noch so kritische Frage kommen schnell die üblichen Gemeinsätze, wie die bäuerliche Seele sie gerne hört. Aber eine echte Antwort bleibt sie dabei oft schuldig.
Nehmen wir die Strategien, in die das Bundesministerium derzeit viel Arbeit steckt: Vom Ackerbau über die Nutztierhaltung bis zur Reduzierung von Zucker/Fett/Salz und natürlich zur Digitalisierung wird überall konzipiert. Das ist alles gut – und hat für die Politik den Vorteil, dass man bei kritischen Fragen auf die in Arbeit befindlichen Strategien verweisen kann – aber am Ende des Tages kommen schöne Worte heraus, die von anderen mit Leben gefüllt werden sollen. Es reicht aber nicht, Zielkonflikte zu benennen. Wir brauchen Lösungen für die Probleme vor Ort. Wenn eine Strategie das könnte, dann hätten die diversen Grünbücher, Strategiepapiere und sonstige Positionierungen, die in den vergangenen Jahren aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium kamen, schon alle Probleme der Landwirte gelöst. Haben sie aber nicht.
Wie schwierig es ist, Konflikte nachhaltig zu lösen, zeigt sich unterdessen beim Wolf, wo Agrar- und Umweltressort sich streiten. Svenja Schulze hält die Hand schützend über den Wolf, Klöckner will, dass die Tiere leichter geschossen werden können. Das ist ein Anfang, doch im Grunde fordert sie auch nur jemand anderen dazu auf, etwas zu tun. Wenn die ehrgeizige und kluge Julia Klöckner als wirklich gute Landwirtschaftsministerin in die Geschichte eingehen will, muss aber auch sie selber mehr aus der Deckung gehen. Nur dann kann sie hoffen, Großes zu erreichen.

Das Interview mit Frau Klöckner lesen Sie in Heft 1/2019.

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