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Nachwachsende Rohstoffe

Energiewende - es bleibt wie es immer war

Biosprit
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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
21.06.2018

Überall hört man dieser Tage, dass Deutschland beim Klimaschutz versagt, weil es seine für 2020 selbst gesteckten Ziele verfehlt.

Simon Michel-Berger

Da fragt man sich schon: Was ist eigentlich aus dem Elan der Jahre um die Jahrtausendwende geworden, als die Bundesrepublik mit ihrem Erneuerbaren-Energien-Gesetz Vorreiter bei der Energiewende war? Was wurde aus der Energiewende außerhalb des Strommarktes, bei Verkehr und Wärme?

Nicht viel, ist die traurige Antwort. Anders als etwa in Österreich war die Energiewende im Wärmesektor nie ein großes Thema in Deutschland. Es passiert mittlerweile zwar viel dezentral und regional, aber Grund dafür ist mehr das Engagement der Bürger als üppige staatliche Förderprogramme. Und sogar Österreich, wo Heizen mit Holz schon lange eine äußerst wichtige Rolle spielt, läuft Gefahr, sich bei einer schlechten Nachfolgeregelung zur Förderung bestehender Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen selber das Wasser abzugraben.

Noch schlimmer sieht es für die Energiewende im Verkehr aus: Beim Bestreben, nicht-nachhaltig produziertes Palmöl aus der Rechnung zu nehmen, hat sich die EU gerade auch von Biokraftstoffen aus heimischen Rohstoffen verabschiedet. So darf der Anteil jeglichen Biosprits aus Nahrungspflanzen ab 2020 nur maximal sieben Prozent des Endverbrauchs im Straßen- und Schienenverkehr ausmachen.

Statt auf eine praxiserprobte, sorgfältig zertifizierte und heimische Technologie zu setzen, hofft man auf künftige Biokraftstoffe aus Reststoffen, die bei der Marktreife längst nicht so weit sind. Dass sich etwa beim Raps längst eine funktionierende Kaskadennutzung etabliert hat, war der großen Politik letztlich egal. Und so bleiben die wichtigsten Akteure am Energiemarkt in Europa nach wie vor die Ölscheichs von gestern, die Gaslieferanten und der Strom aus Braunkohle.

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