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Erneuerbare Mobilität

Energiewende im Verkehr unzureichend

pd
am
25.01.2017

Bonn - Auf dem internationalen Fachkongress für erneuerbare Mobilität kritisiert die deutsche Biokraftstoffwirtschaft den Vorschlag der EU-Kommission für eine neue Erneuerbare-Energien-Richtlinie und fordert Anpassungen.

Rapsblüte

Die Biokraftwirtschaft erklärt, dass im Verkehrssektor ein deutlich höherer Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden muss, als dies der Kommissionsvorschlag vorsieht. Das vom Europäischen Rat für das Jahr 2030 beschlossene Ziel von 27% erneuerbarer Energien würde verfehlt. Eine entschlossene Energiewende im Verkehr werde auch nötig sein, um auch eine Senkung des Treibhausgasausstoßes um 30% zu erreichen. Dazu müssten marktgängige Biokraftstoffe aus Anbaubiomasse einen Beitrag von 7% der Energie im Kraftstoffbereich stellen.

Planungssicherheit fehlt

Artur Auernhammer, MdB und Vorsitzender des Vorstandes des Bundesverbandes Bioenergie (BBE), kommentiert den Vorschlag der EU-Kommission, der eine schrittweise Absenkung des Anteils der Biokraftstoffe aus Anbaubiomasse von 7% im Jahr 2020 auf 3,8% in 2030 vorsieht: “Seit 2003 hat die EU-Kommission vier fundamentale Änderungen zur Biokraftstoffpolitik vorgeschlagen. Dies bedeutet alle drei Jahre eine Richtungsänderung und keine Planungssicherheit für eine neue Branche. Der erst 2015 beschlossene Kompromiss eines Anteils von 7% für Biokraftstoffe aus Anbaubiomasse muss über 2020 hinaus beibehalten werden. Investitionen und Arbeitsplätze in der Branche müssen geschützt werden.“

 Die Verbände der Bioenergie- und Biokraftstoffwirtschaft bekräftigen, dass im Markt etablierte Lösungen auch langfristig einen erheblichen Beitrag für mehr Klimaschutz im Verkehr leisten können. Die in Deutschland aus heimischen Rohstoffen hergestellten und zertifiziert nachhaltigen Kraftstoffe wie Biodiesel und Bioethanol senken die Treibhausgasemissionen gegenüber fossilem Benzin schon heute um durchschnittlich 70%.
Artur Auernhammer: „Die von der EU-Kommission vorgeschlagene Förderung von fortschrittlichen Biokraftstoffen aus Reststoffen und Abfällen ist richtig. Sie können aber Biokraftstoffe aus Anbaubiomasse nicht ersetzen, sondern müssen einen zusätzlichen Beitrag zur Reduzierung fossiler Kraftstoffe leisten.“ Der Anteil dieser neuen Kraftstoffe soll stufenweise ab 2021 von 1,5% auf 6,8% in 2030 erhöht werden. Es ist jedoch fraglich, ob diese Anteile tatsächlich erreicht werden können. Derzeit werden diese Kraftstoffe nur in geringen Mengen erzeugt.

„Die EU-Kommission sollte eine EU-weite Fortsetzung der Richtlinie zur Treibhausgasminderungspflicht für alle Kraftstoffe nach 2020 vorschlagen. Deutschland hat diese Treibhausgasminderungspflicht 2015 eingeführt und bewiesen, dass durch den ausgelösten Effizienzwettbewerb ein preisgünstiger Weg zur CO2-Vermeidung im Straßenverkehr gefunden wurde“, sagt Auernhammer.

Darüber hinaus hat die europäische Biokraftstoffwirtschaft eine Vorbildfunktion für die Weiterentwicklung anderer Nutzungspfade in der Bioökonomie. Die ist darin begründet, dass Biokraftstoffe in Europa zertifiziert nachhaltig sein müssen. „Biokraftstoffe sind wegen der vorhandenen Infrastruktur derzeit die sofort verfügbare Lösung mit erheblichem Potenzial für mehr Klimaschutz im Verkehr. Und dies bei einer obligatorischen Zertifizierung der nachhaltigen Biomassenutzung“ stellt Artur Auernhammer klar.

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