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Editorial

Entspannen können

Dieser Artikel ist zuerst im Bayerischen Landwirtschaflichen Wochenblatt erschienen.

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von , am
11.05.2017

München - Am besten legen Sie sich ein Alpaka zu, nein halt, es müssen zwei sein, damit die sich wohlfühlen. Aber wenn Sie das tun, dann tragen die Andenkamele mit ihrer Ruhe und Ausgeglichenheit, dazu bei, dass sich ihre Eigentümer etwas entspannen können.

Sepp Kellerer, Chefredakteur © BLW/Archiv

Entspannen können, das wäre derzeit dringend notwendig. Das gilt für die Mais- und Grünlandbauern. Die einen warten sehnlichst darauf, die Körner endlich in den Boden zu bringen, die anderen darauf, den ersten Schnitt ins Silo zu bekommen. Während diese Zeilen geschrieben werden, lacht zwar die Sonne vom Himmel, aber für das Wochenende sind schon wieder Schauer angekündigt. Ob das für die anstehenden Arbeiten reicht, bleibt fraglich.

Entspannen können, darauf haben die Betreiber von Milchtankstellen zumindest eine Hoffnung. Derzeit droht diesen mit viel Engagement aufgebauten Einrichtungen nämlich schon wieder das Aus. Nach dem aktuellen Stand bei der Umsetzung der Novelle des Eichrechtes, müssten die Tankstellen nämlich bei jedem Zapfvorgang einen Beleg ausdrucken, der die abgegebene Menge enthält. Das würde für viele dieser Anlagen zumindest die Unwirtschaftlichkeit nach sich ziehen. Noch ist hier nicht aller Tage Abend. Hoffen wir, dass es gelingt, für die Milchtankstellen eine Ausnahmeregelung hinzukriegen.

Entspannen, das ist bei dem aktuellen Medienrummel um die mangelnde Betäubung von Schweinen auf bayerischen Schlachthöfen kaum möglich. Um es klar und deutlich zu sagen: Es gibt dazu gesetzliche Vorschriften und die sind einzuhalten. Wenn man da so einfach einen Punkt dahinter machen könnte, dann wäre Entspannen fast schon wieder möglich. Aber lässt sich das mit der vor allem an den kleineren Schlachthöfen vorhandenen Technik wirklich umsetzen? Ist die Alternative, die Betäubung mit Gas, wie sie an den großen Schlachthöfen üblich ist, auf die kleineren Betriebe und die einzelnen Metzger umsetzbar? Bleiben nur die Großen übrig? Lauter offene Fragen.

Und noch eine schließt sich da an. Die soll nicht vom eigentlichen Thema ablenken, muss aber trotzdem auch gestellt werden. Es heißt, die Verfehlungen wurden über Monate dokumentiert. Hätte man da nicht viel Tierleid vermeiden können, wenn man das Material spätestens nach einer Woche den zuständigen Behörden übergeben hätte? Geht es wirklich um Tierschutz oder doch mehr um Publicity?

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