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Milchmarkt und Stalleinbrüche

Ernte – Dank?

Dieser Artikel ist zuerst in der Agrartechnik erschienen.

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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
06.10.2016

München - Endlich Hoffnung für die krisengeschüttelten Milchbauern. Mit einem späten Ernte-Dank hat es aber nichts zu tun, wenn der Handel seine Preise anhebt.

Simon Michel-Berger

Die Verhandlungen mit den Molkereien standen schlicht und ergreifend wieder an. Trotzdem ist es gut zu sehen, dass die Preise wieder anziehen – und das deutlich: Bei der Butter etwa geht es teilweise um fast 30 Prozent nach oben, derart große Sprünge gab es in den Verhandlungen selten.

Nun hat der Erfolg bekanntlich viele Väter. Einer der wichtigsten ist die geringere Milchanlieferung der Bauern. Auch die psychologische Erwartung des freiwilligen Lieferverzichts der EU dürfte eine Rolle spielen. Interessant ist aber auch die Frage, ob die Preise nicht noch stärker angezogen hätten, wenn die Verhandlungen noch etwas hinausgezögert worden wären. Wenn der Handel so deutliche Aufschläge bezahlt, dann sicher nicht, weil ihm die Bauern leidgetan haben. Mit steigenden Preisen gewinnt auch das Wörtchen „Rohstoffsicherung“ wieder an Bedeutung.

Weniger rosig sieht es bei der politischen Diskussion um die Nutztierhaltung aus: Die Stalleinbrüche bei Vertretern landwirtschaftlicher Verbände und die Berichterstattung darüber haben auch den Bundestag beschäftigt. Emsig wurden gerade von den Grünen wieder Veränderungen in der Nutztierhaltung angemahnt.

Dabei entwickelt sich die bäuerliche Tierhaltung beständig weiter. Am Willen, den eigenen Betrieb weiterzuentwickeln, fehlt es den wenigsten Landwirten. Wenn nur der Staat nicht mit immer neuen Auflagen gerade den Tierhaltern hineinregieren würde. Und wenn der Staat nichts blockiert tun es die „lieben Nachbarn“, die zwar auch essen aber nur selten einen neuen Stall in ihrer Nähe haben wollen. Dank für ihre Arbeit bekommen die Bauern weder vom Handel noch vom Verbraucher. Wollen sie gehört werden, müssen sie sich durch Dialog bemerkbar machen.

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