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Handel

EU will Lieferungen brasilianischer Fleischverarbeiter sperren

Brasilien Fleisch
aiz
am
27.03.2018

Aufgrund lebensmittelhygienischer Bedenken will die Europäische Union einer noch nicht genauer genannten Zahl von brasilianischen Fleischverarbeitern den Zugang zum Binnenmarkt entziehen.

Wie eine Sprecherin der EU-Kommission gegenüber der Nachrichtenagentur Agra-Europe erklärte, hat ihre Behörde den EU-Mitgliedstaaten dazu im Sonderausschuss Landwirtschaft (SAL) eine Liste möglicher Kandidaten vorgelegt. Eine Entscheidung soll zu einem noch nicht bekannten Termin erfolgen, hieß es dazu aus Brüssel. Hintergrund sind neue Erkenntniss e zum Fleischskandal, der vor etwa einem Jahr in Brasilien aufgedeckt worden war. Laut Angaben des Landwirtschaftsministeriums in Brasília haben aktuelle Ermittlungen ergeben, dass in der Zeit kurz vor Aufdeckung des Skandals insgesamt fünf von landesweit 496 Prüflabors Salmonellenfunde in Produkten des Fleischgiganten BRF Brasil - früher Brasil Foods - verheimlicht haben sollen. Auch einzelne Einrichtungen von BRF seien dahingehend untersucht worden, ob es im betreffenden Zeitraum Fälschungen von Labortestergebnissen gegeben habe, berichtete das Ministerium.

Gegenüber den internationalen Handelspartnern bemühte sich das Ressort um Beruhigung. In den derzeitigen Untersuchungen gehe es um Vorfälle, die sich in der Vergangenheit ereignet hätten. Als Reaktion auf den Skandal habe das Land inzwischen wichtige Neuregelungen im Bereich der Lebensmittelhygiene umgesetzt. Diese garantierten nun die Qualität brasilianischer Produkte. Dennoch dürften die neuesten Erkenntnisse zum Gammelfleischskandal in Brasilien die Zweifel an der Lebensmittelsicherheit in dem Land weiter nähren und damit auch die aktuellen Freihandelsgespräche zwischen der Mercosur-Staatengemeinschaft - dessen größtes Mitglied Brasilien ist - und der EU belasten.

 

Kritik an Freihandelsgesprächen

Die Verhandlungen waren auch ein Thema in Brüssel. Der Agrarsprecher der Grünen im Europaparlament, Martin Häusling, forderte von der EU-Kommission ein Ende der "Geheimniskrämerei" im Rahmen der Handelsgespräche mit den Mercosur-Staaten und sofortige Transparenz. Der Agrarpolitiker beklagte, dass seiner Ansicht nach die Gespräche der Kommission mit den Mercosur-Staaten wie "Geheimverhandlungen" verliefen. Die Abgeordneten sowie die Öffentlichkeit fühlten sich zunehmend von der EU-Kommission "verschaukelt". Anders lasse sich die Presseverlautbarung des Außenministers von Paraguay, Eladio Loizaga, nicht deuten, dass das Abkommen innerhalb von "zwei bis drei Wochen" unter Dach und Fach kommen werde.

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