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Spielregeln

Fairer Ausgleich der Interessen?

Sonnige Herbstlandschaft
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Sepp Kellerer, Wochenblatt
am
09.03.2017

München - Es gibt zunächst eine natürliche Konkurrenz zwischen Landwirtschaft und Umweltschutz, weil beide Seiten um die Fläche buhlen. Die eine Seite will ihr Eigentum nutzen, die andere will die Natur schützen.

In einer Demokratie werden solche Konkurrenzsituationen in aller Regel über Kompromisse ausgeräumt. Und so gab es lange Zeit Spielregeln, die aus Sicht der Landwirtschaft einen akzeptablen Ausgleich zwischen den Bedürfnissen der Produktion hochwertiger Nahrungsmittel und den Wünschen des Natur- und Umweltschutzes ermöglichten.

Je mehr Menschen aber keinen Bezug mehr zur Landwirtschaft haben und je größer der Abstand der Menschen zur Landwirtschaft wird, umso mehr werden die vorhandenen Spielregeln infrage gestellt.

In einer Marktwirtschaft werden die Beziehungen in aller Regel über Angebot und Nachfrage geregelt. Über diesen Ansatz möchte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks Agrarpolitik machen. Gemeinwohlleistungen, die die Bäuerinnen und Bauern auf ihren Betrieben erbringen, sollen fair honoriert werden können.

Klingt zunächst ja mal ganz interessant. Ich schau mal, was die Gesellschaft an Gemeinwohlleistungen nachfragt und was sie bereit ist, dafür zu bezahlen, und dann rechne ich, ob das für mich und meinen Betrieb interessant ist. Wenn ja, dann nehme ich das Angebot an, wenn nein, dann arbeite ich weiter wie bisher auf Basis der guten fachlichen Praxis.

So könnte das durchaus funktionieren. Aber Vorsicht! Es besteht die Gefahr, dass ich gar kein Wahlrecht habe. Aus den fachlichen Angeboten werden nämlich ganz schnell Vorschriften und aus den finanziellen Angeboten wird ganz schnell eine kleine Entschädigung für Auflagen. Es sei darauf verwiesen, dass in einer Demokratie die freie Verfügbarkeit über das Eigentum gilt.

Ein Kommentar von Sepp Kellerer, Wochenblatt- Chefedakteur, sepp.kellerer@dlv.de

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