Login
Lieber Leser

Von Fakten und Behauptungen

Alternative Fakten
Thumbnail
Sepp Kellerer, Wochenblatt
am
18.01.2018

Alternative Fakten sind das Unwort des Jahres. Es stellt sich natürlich die Frage, was bringt die Wahl eines Begriffes bzw. einer Aussage zum Unwort?

Sepp Kellerer

Wikipedia berichtet, dass Sprachwissenschaftler mit der Aktion „auf öffentliche Formen des Sprachgebrauchs aufmerksam machen und dadurch das Sprachbewusstsein und die Sprachsensibilität in der Bevölkerung fördern“ wollen. Die Wahl soll den sprachkritischen Blick auf Wörter und Formulierungen in allen Feldern der öffentlichen Kommunikation lenken, die gegen sachliche Angemessenheit oder Humanität verstoßen.

Aus Sicht der Landwirtschaft wäre es schön, wenn dieses Ziel der Sprachwissenschaftler gerade bei den alternativen Fakten auch eintreffen würde, denn gerade die Bäuerinnen und Bauern haben sehr mit Unwahrheiten und Halbwahrheiten oder Sichtweisen aus einem ganz ganz engen Blickwinkel zu kämpfen, mit Aussagen, die einer sachlich wissenschaftlichen und umfassenden Prüfung nicht standhalten.

Da ständig dagegenhalten zu müssen, ist mühsam und aufreibend, aber unbedingt notwendig. BBV-Präsident Walter Heidl versprach beim Pressegespräch im Vorfeld der Grünen Woche, dass er nicht aufhören werde, die alternativen Fakten aufzuspüren und zurechtzurücken. Sie sollten ihn dabei unterstützen, liebe Leser.

Apropos „Grüne Woche“ – da waren wir es die letzten Jahre eigentlich gewohnt, dass im Vorfeld dazu irgendeine mit alternativen Fakten gespickte Sau durchs Dorf getrieben wurde. Und die Akteure der Branche mussten in Berlin ihre Zeit darauf verwenden, die Kuh wieder vom Eis zu holen.

Heuer war das nicht der Fall. Zwar beschäftigt uns seit Jahresbeginn ganz intensiv die Afrikanische Schweinepest, aber da ist es durchaus positiv, wenn sich auch die breite Bevölkerung mit dem Thema auseinandersetzt. Verbreite ich jetzt schon alternative Fakten? Also lieber noch mal ganz exakt: Wir haben die ASP noch nicht im Lande. Es geht darum, zu verhindern, dass die Krankheit zu uns nach Deutschland eingeschleppt wird.

Da müssen alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden. Die Menschen, die in Länder fahren, wo die ASP auftritt, müssen die Vorsichtsmaßnahmen kennen, die Menschen, die aus solchen Ländern kommen, ebenfalls. Die Jäger sollten die Sauenbestände hierzulande ausdünnen, um das Risiko zu verringern. Haben Sie sich eigentlich schon erkundigt, was auf Ihrem Betrieb sinnvoll ist?

Auch interessant