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Düngung und Trinkwasserschutz

Falscher Aktionismus auf dem Rücken der Landwirte

Gülleausbringung
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Karola Meeder, Wochenblatt
am
28.02.2018

Initiative „Gülleverschmutzung stoppen“ - Union warnt vor falschem Aktionismus in der Trinkwasserdebatte

Gülle ausbringen

Die mit der Novelle des Düngerechts erhoffte Atempause in der politischen Diskussion bleibt aus: Die Initiative „Gülleverschmutzung stoppen“ hat eine Petition an Bundesumweltministerin Barbara Hendricks übergeben. Darin fordert der Zusammenschluss vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), mehreren Umweltverbänden sowie der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di wirksame Maßnahmen zum Schutz der Trinkwasserressourcen vor Nitratbelastungen. Die Initiative tritt dafür ein, die bestehenden Verordnungen zum Düngerecht einer umfassenden Evaluierung zu unterziehen. Gefordert werden ein sofortiger Düngestopp in belasteten Gebieten, die Ausweitung der Verpflichtung zur Erstellung von Stoffstrombilanzen auf alle Betriebe noch in diesem Jahr, die Eindämmung des „Gülle-Tourismus“ sowie eine Umschichtung von Agrarsubventionen zugunsten „einer gewässer- und umweltverträglichen Flächenbewirtschaftung“.

Den Anlass für die Forderungen bildet den Initiatoren zufolge eine zunehmende Zahl von Berichten, wonach die Böden in zahlreichen Regionen durch Überdüngung belastet und das Grundwasser gefährdet seien. Sollte sich bei den Nitratmessungen im laufenden Jahr herausstellen, dass der Grenzwert von 50 mg Nitrat pro Liter Grundwasser weiterhin überschritten werde, sei eine Nachjustierung der bestehenden Gesetze und Verordnungen erforderlich. Gelinge es nicht, die Nitratbelastung durch Gülle und andere stickstoffhaltigen Düngemittel merklich zu reduzieren, drohten durch die Wasseraufbereitung Kostensteigerungen für die Verbraucher um bis zu 60 %.

Mit Material von AgE

Gegenstimmen von Union und Bauernverband

Trinkwasser

Nach Verabschiedung eines deutlich verschärften Düngerechts vor nicht einmal einem Jahr bestehe keine Veranlassung für eine umfassende Evaluation, erklärten der agrarpolitische Sprecher der Union, Albert Stegemann, und der zuständige Berichterstatter Johannes Röring. „Das System ist transparent wie nie zuvor“, erklärten die CDU-Politiker. Jeder Landwirt müsse genauestens dokumentieren, wo welche Mengen Wirtschaftsdünger ausgebracht worden seien. Zur Ehrlichkeit gehöre dabei, dass das Grundwassernetz ein komplexes System sei. Es brauche daher Zeit, bis Verbesserungen messbar seien. Für die Unionsagrarier steht außer Frage, dass das Düngepaket einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Grundwasserqualität liefern wird.

Den Verbänden werfen Stegemann und Röring vor, sie schürten mit ihrer Initiative bewusst Sorgen bei den Menschen. Gerade weil viele landwirtschaftliche Familienbetriebe dabei seien, die neuen, verschärften Regelungen umzusetzen, müsse ihnen hierzu die nötige Zeit eingeräumt werden. Umso bedauerlicher sei es, so die Unionsabgeordneten, dass die Betriebe nun schon wieder öffentlich an den Pranger gestellt würden.

Der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Bernhard Krüsken, sagt zu der Übergabe der Petition: „Wir befinden uns im Jahr Eins der Umsetzung des grundlegend neu gefassten Düngerechts. Diese überparteiliche in Bundestag und Bundesrat, unter Mitwirkung des Umweltministeriums gefundene Einigung legt klare und strenge Regeln zur Vermeidung von Nährstoffüberschüssen fest. Deshalb wundern wir uns, dass diese Tatsache unterschlagen wird. Wir wünschen uns mehr Sachlichkeit.“ Der DBV weist darauf hin, dass nach dem Nitratbericht der Bundesregierung 2016 bereits fast drei Viertel (72 Prozent) aller Messstellen im landwirtschaftlichen Bereich den strengen Trinkwassergrenzwert für Nitrat erfüllen - Tendenz steigend.

 

Mit Material von AgE, DBV
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