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Tierwohl-Label des Bundesministerium

Fragen über Fragen

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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
26.01.2017

München - Klassischerweise gehen wir Journalisten auf Pressekonferenzen, um Fragen beantwortet zu bekommen. Beim Pressetermin des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL) zur Vorstellung des neuen staatlichen Tierwohllabels war es umgekehrt: Wir gingen mit mehr Fragen, als wir am Anfang hatten. Wofür gibt es Tierwohl-Sterne? Ab wann kommt das Label? Fehlanzeige.

Man wird den Verdacht nicht los, dass das BMEL selber nicht so recht weiß, wohin genau es mit seinem Label will. Kriterienkataloge, die etwa bei der Initiative Tierwohl (ITW) weit über ein Jahr zur Entwicklung gebraucht haben, will das Ministerium bis Ostern festgeklopft haben.

Realistisch haben die Beamten nur eine Chance: Sie nehmen entweder die Kriterien der ITW oder vom Tierschutzbund und passen sie kosmetisch an. Denn das BMEL wird bekanntlich seit Januar auch organisatorisch neu aufgestellt. Die Referenten, welche die Entwürfe zu Papier bringen, dürfen sich neben ihrer fachlichen Arbeit also auch mit Fragen wie „Wer hat eigentlich künftig welche Kompetenz?“ herumschlagen.

Erfolgreich war das Label bereits in einer Hinsicht: Es hat dem Minister zahlreiche Aufschläge in der Tagespresse beschert. Fachlichen Tiefgang gab es – mangels offizieller Informationen – zwar nicht, aber Fakten zählen heutzutage bekanntlich deutlich weniger als Schlagzeilen.

„Geschafft“ hat es Schmidts Label auch schon, die Initiative Tierwohl zu beschädigen: Das Handelsunternehmen Real steigt ab 2018 in Erwartung des neuen Logos aus. Warum für etwas Geld bezahlen, das der Staat kostenlos liefert? Insofern steht Schmidt jetzt eine große Herausforderung bevor: Sein Label mit Leben füllen ohne all das Leben, das sich aus den Gesprächen der Wirtschaftsbeteiligten in den letzten Jahren entwickelt hat, mit dem neuen Logo platt zu drücken.

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