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Interview

Aus für Brucker Schlachthof: Das sagen Betroffene

Dieser Artikel ist zuerst im Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt erschienen.

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Brucker Schlachthof
Über dem Brucker Schlachthof haben sich dunkle Wolken zusammengebraut und schlagartig entladen. © Angi Kiener
von , am
11.05.2017

Fürstenfeldbruck - Das Landwirtschaftliche Wochenblatt wollte von Bauern und Metzgern wissen, wie sie als Betroffene die Situation erleben. Zu Wort kommt unter anderem Geschäftsführer Max Keil, der als Direktvermarkter auch beim Bauernmarkt Fürstenfeldbruck (Bauernquelle) präsent ist.

Max Keil teilte in einer persönlichen Erklärung mit: „Ich arbeite seit 20 Jahren als Landwirtschaftsmeister fast täglich und ohne wirtschaftlichen Profit für den Brucker Schlachthof. Mein einziger Beweggrund dafür war, Tierleid zu minimieren und vernünftige Nahrungsmittel zu erzeugen. Nach der aktuellen Kampagne muss ich sagen, es geht nicht mehr.“

Ähnliches verlautet auch ganz offiziell als Stellungnahme des Verwaltungsrates aus dem Brucker Schlachthof: „Die gesellschaftlichen und ordnungspolitischen Entwicklungen machen den Weiterbetrieb der Firma Brucker Schlachthof unmöglich. Die gesamte Schlachtmannschaft ist entlassen. Zu anonym entstandenen und inszenierten Vorwürfen müssen wir keine Erklärung abgeben.“

Der Chef der Metzgerinnung, Engelbert Jais, kündigte an, sich für einen Neuanfang stark zu machen. „Ich würde Verantwortung in der Geschäftsleitung übernehmen, aber einer alleine kann das nicht schultern; den Schlachthof wieder auf die richtige Spur zu bringen, dafür nehme ich mir gerne alle Zeit der Welt.“ Er sei derzeit in regem Austausch mit seinen Metzgerkollegen, die ihm größtenteils ihre Unterstützung bei einem Neuanfang zugesichert hätten.

Mit dem System Brucker Schlachthof waren auf dem richtigen Weg

Max Keil
Max Keil, Geschäftsführer des Brucker Schlachthofs, sieht das grundsätzliche System des Betriebs, trotz der aktuellen Vorkommnisse, nicht wirklich in Frage gestellt. © Angi Kiener

In einem aktuellen Interview stellte sich Max Keil den Fragen von Wochenblatt-Mitarbeiterin Angi Kiener.

Wochenblatt: Ist heute schon absehbar, wie lange der Brucker Schlachthof geschlossen bleibt?
Keil: „Nein, es ist nicht absehbar, ob es ein eventuell neuer Betreiber schafft, hier bald wieder zu schlachten.“

Wochenblatt: Wie viele Mitarbeiter wurden freigestellt?
Keil: „Es wurden alle, die am bisherigen Schlachtprozess beteiligt waren, freigestellt oder entlassen.“

Wochenblatt: Gegen welche Mitarbeiter wurden Anschuldigungen erhoben?
Keil: „Es gibt keine Anschuldigungen in dem Sinn. Und es ist nach der Soko-Tierschutz-Kampagne auch für die betroffenen Menschen nicht mehr möglich, sich in den Schlachtvorgang einzubringen.“

Wochenblatt: Konnten die Verantwortlichen des Schlachthofes unverpixeltes Videomaterial sichten?
Keil: „Mit uns hat deshalb niemand Kontakt aufgenommen, auch wir haben da nur indirektes Material zu sehen bekommen.“

Wochenblatt: Sicher haben Sie beim Brucker Bauernmarkt Rückmeldungen seitens der Verbraucher erhalten. Wie ist die Stimmung vor Ort, bei den Kunden?
Keil: „Wir haben am letzten Samstag beim Bauernmarkt nur konstruktiven Zuspruch bekommen.“

Wochenblatt: Gibt es Ihrerseits auch schon Erkenntnisse darüber, wie die Video-Aufnahmen entstanden sind?
Keil: „Es ist unbestritten, dass die Aufnahmen, bzw. die Kamerastandorte, nur von Menschen mit Ortskenntnissen ausgesucht werden konnten. Wir sind aber auch davon überzeugt, dass der oder die Maulwürfe nur bei den externen Schlachthofbetretern zu suchen sind.“

Wochenblatt: Bei unseren Gesprächen in der Vergangenheit betonten Sie stets, dass das zukunftsweisende Modell des Brucker Schlachthofes richtungsweisend in Sachen Transparenz und Regionalität sei. Wie wollen Sie diesem Anspruch nach Veröffentlichung des Schock-Videos künftig gerecht werden?
Keil: Betriebsleiter Alex Hill und ich sind voll davon überzeugt, dass wir mit dem System Brucker Schlachthof auf dem richtigen Weg waren. Ich persönlich werde mich auch in Zukunft für direkte, regionale, solidarische und ökologische Lebensmittelwirtschaft einsetzen.“

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