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Lieber Leser

Ganz schön verdrehte Fakten

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Sepp Kellerer, Wochenblatt
am
07.09.2017

München - Gerade als diese Zeilen getippt werden, rast der Tornado Irma über den Süden der USA hinweg.

Sepp Kellerer

Gerade als diese Zeilen getippt werden, rast der Tornado Irma über den Süden der USA hinweg. Dabei sind doch die Bilder von den katastrophalen Überschwemmungen in Texas, verursacht durch den Tornado letzte Woche, noch ganz frisch. Das Land der unberechenbaren Möglichkeiten wird geführt von einem Präsidenten, der die Klimaerwärmung leugnet und aus dem internationalen Klimaschutzabkommen aussteigt. Da bleibt einem doch nur noch das Kopfschütteln.

Aber ist es bei uns so viel besser? Da stürzten im letzten Jahr in Niederbayern 120 bis 150 Liter Regen in einer Stunde auf den Quadratmeter nieder und schuld an den dadurch ausgelösten Überschwemmungen waren die Bauern mit ihrem Maisanbau. Wer allerdings den Blick nach Oberbayern gerichtet hat, der musste feststellen, dass im Raum Weilheim ähnliche Niederschlagsmengen die gleichen Überschwemmungen ausgelöst haben. Dort ist reines Grünlandgebiet, da kann man jetzt ganz schlecht dem Mais die Schuld in die Schuhe schieben.

Vor drei Wochen fegte das Sturmtief Kolle über die Landkreise Freyung-Grafenau und Passau hinweg und sorgte dort in den Wäldern für erhebliche Schäden. Und es gibt Politiker, denen nichts anderes einfällt, als die betroffenen Waldbesitzer zu tadeln, dass sie zu viel Fichte auf den Flächen hätten und sie aufzufordern, den Waldumbau voranzutreiben. Wer sich wirklich vor Ort kundig gemacht hat, der hat auch ohne großes forstliches Wissen gesehen, dass es bei Spitzenböen von 200 Stundenkilometern egal ist, ob da eine Fichte steht oder eine Buche oder ein Tanne. Da liegt einfach alles flach oder noch schlimmer, es bricht.

Wie muss sich angesichts der Schäden und der oben genannten Vorhaltungen ein Waldbesitzer fühlen, der seit 20, 30 oder 40 Jahren daran arbeitet, die Bestände aufzulichten, um die Verjüngung einzuleiten und mehr Stufigkeit zu erhalten, der jede kleine Tanne oder Buche hätschelt und pflegt? Um nicht falsch verstanden zu werden, dass wir in unseren Wäldern Mischung und mehr Stufigkeit brauchen, das ist unbestritten.

Und um es nochmal klar und deutlich zu sagen: Die Bäuerinnen und Bauern sind nicht die Verursacher des Klimawandels, sie sind die Leidtragenden. Und da ist es nur legitim, wenn auch sie die Schäden, die sie erdulden müssen, ausgeglichen bekommen. Die bayerische Staatsregierung hat das wohl erkannt.

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