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EU-Studie

Gefahr durch Handelsabkommen für landwirtschaftliche Märkte

Copa Präsident Martin Merrild
pd
am
18.11.2016

Brüssel - Eine neue Studie bestätigt negative Auswirkungen von Handelsabkommen auf die EU-Sektoren Rindfleisch, Schaffleisch, Reis und Geflügel. Für eine globale Bewertung sehen Copa und Cogeca die Studie aber nicht geeignet, da zentrale Sektoren fehlen.

Eine neue, von der EU-Kommission gestern in Brüssel veröffentlichte EU-Folgenabschätzungsstudie zum Handel bestätige die negativen Auswirkungen, die bevorstehende Handelsabkommen auf die EU-Sektoren Rindfleisch, Schaffleisch, Reis und Geflügel hätten, während die Auswirkungen auf den Milchsektor günstiger ausfielen, so die Präsidenten von Copa & Cogeca gestern.

Gleichwohl warnten sie, dass diese Studie es versäume, eine globale Bewertung zu bieten, da sie weder zentrale Mittelmeerprodukte wie Wein, Olivenöl, Obst und Gemüse einschließe, noch die Auswirkungen nichttarifärer Handelshemmnisse berücksichtige.

In einer ersten Reaktion sagte Copa-Präsident Martin Merrild: „Diese Studie bestätigt unsere Ansicht, dass der EU-Fleischsektor von einigen Handelsabkommen schwer getroffen werden könnte, sofern keine konservativen Zollkontingente für Importe auferlegt werden, insbesondere in dem mit dem lateinamerikanischen Handelsblock Mercosur verhandelten Abkommen. Wir vermuten, dass ein potenzielles Abkommen mit Mercosur den EU-Agrarsektor stark belasten würde, insbesondere den Rindfleischsektor“.

„Angesichts der für die Studie ausgewählten Methodik bin ich der Meinung, dass die Kommission den anfälligen Zustand der EU-Schweinefleisch- und Rindfleischsektoren unterschätzt. Eine vertiefende Analyse, die zwischen den Erzeugnissen der Schlachtkörperzerlegung und den unterschiedlichen Qualitäten unterscheidet, wäre nötig, um die richtige EU-Fleischstrategie zu entwickeln und das Produktionspotenzial der EU zu erhalten“, fügte Merrild hinzu.

Cogeca-Präsident Thomas Magnusson sagte: „Wir fordern die Erstellung eines Berichts, welcher zentrale Mittelmeerprodukte wie Wein, Olivenöl sowie Obst und Gemüse einschließt. Wir sind überzeugt, dass Mittelmeerprodukte wie Wein und Olivenöl im Rahmen zukünftiger Beziehungen mit dem Euromed-Raum besser berücksichtigt werden können. Darüber hinaus versäumt es der Bericht, sich mit den Auswirkungen nichttarifärer Handelshemmnisse zu befassen. Aus den Handelsgesprächen mit den USA beispielsweise könnte unserer Ansicht nach großer Nutzen hervorgehen, wenn nichttarifäre Handelshemmnisse und Verwaltungslasten abgebaut werden. Die europäischen Milcherzeuger stehen zum Beispiel großen Hindernissen gegenüber, wenn sie versuchen, „Grade-A“-Milchprodukte in die USA auszuführen. Wir denken, dass die von EU-Landwirtschaftskommissar Hogan organisierten Geschäftsreisen in dieser Hinsicht von strategischer Bedeutung sind und unser Handelspotenzial erhöhen. Die ersten Früchte dieser Missionen können wir bereits sehen“.

Zusammenfassend betonte Magnusson die Notwendigkeit einer einfachen, stabilen und innovativen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) in Zukunft, die Ergebnisse für die Landwirte bringt, sodass die EU auf den Weltmärkten wettbewerbsfähig bleiben und mehr mit weniger produzieren kann, um die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren.

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