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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
16.02.2017

München - Am vergangenen Wochenende habe ich den Fragebogen der EU-Kommission zur Zukunft der EU-Agrarpolitik ausgefüllt. Nun ist Beamtendeutsch ohnehin schon nicht jedermanns Sache – und wer glaubt, die Fragen nebenbei beantworten zu können, dürfte nicht allzu weit kommen.

Simon Michel-Berger

Ein Beispiel: In einer Frage darf man wählen, was die wichtigsten ökologischen Herausforderungen für die Landwirtschaft sind. Soll man das Kreuzchen lieber bei „Verringerung der Wasserverschmutzung“ oder bei „Verantwortungsvoller Umgang mit Wasser“ machen? Ist es wichtiger, biologische Vielfalt zu schützen, Luftverschmutzung zu vermeiden oder die Bodenbelastung zu verringern? Oder doch etwas ganz anderes? Zwar sind drei Antworten möglich, doch was die Brüsseler Beamten letztlich darin hineininterpretieren, bleibt offen.

Trotzdem lohnt es sich für die Landwirte, an der Befragung teilzunehmen. In rund einer Stunde den Mächtigen zu sagen wo der Schuh drückt, ist eine Gelegenheit, die so bald nicht wieder kommt. Denn das Tauziehen, um die künftige EU-Agrarpolitik, wird immer stärker werden. Eine der großen Fragen – neben der Finanzierung – wird sein, wie weit die Gemeinsame Agrarpolitik eine gemeinsame Politik bleibt. Schon bei der letzten Reform hat sich abgezeichnet, dass bei Streitfragen immer mehr die Länder für sich entscheiden sollen. So lässt sich zwar leichter ein Konsens bauen, doch die Wettbewerbsbedingungen in der EU driften auch immer weiter auseinander. Wer, wenn nicht die Landwirte, wird die Stimme für eine starke europäische Politik erheben, die auch europaweite Krisen bewältigen kann? Die Umweltschutzorganisationen sicher nicht.

Darum kann ich nur jedem Landwirt empfehlen, sich die Zeit für die Befragung zu nehmen – es lohnt sich. Der Zugang erfolgt über die Internetseite der Generaldirektion Landwirtschaft der EU-Kommission.

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