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Dritter Nationalpark

Geht Naturschutz auch moderner?

Nationalpark Bayerischer Wald
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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
20.07.2017

München - Wie zeitgemäß ist es eigentlich noch, großflächige Schutzgebiete auszuweisen, in denen die Natur großteils sich selbst überlassen wird?

Simon Michel-Berger

Ich verstehe jeden Großstädter, der das Grau des Häusermeers um ihn herum gewohnt ist, und sich schöne Vorstellungen von freier, unberührter Natur macht, die so ganz anders sind als sein Alltag. Es lesen ja auch viele Menschen Romane von Drachen, Rittern und Zwergen. Aber zwischen schönen Vorstellungen und der Realität liegt meistens eine ganze Menge Arbeit und Kosten. So ist es auch beim dritten Nationalpark.

Je weiter so ein Park weg ist, umso mehr Befürworter hat er in der Regel. Diese oder jene Gegend aus der Bewirtschaftung zu nehmen, sagt sich vom fernen München aus leicht. Ginge es um den Englischen Garten, der dann nur mehr auf markierten Wegen betreten werden dürfte, wäre die Entscheidung schon ganz anders.

Im Grundsatz geht es doch um die Fragen: Was kostet so ein Nationalpark und was bringt er? Auf der Kostenseite sind viele Punkte klar. Nur ein paar Beispiele: Einschränkungen bei der Bewirtschaftung, neue Rückzugsgebiete für Schwarzwild und Borkenkäfer und weniger heimisches Holz.

Zu den Vorteilen gibt es schöne Rechnungen von viel Geld, das der Tourismus irgendwann in die Region eines neuen Nationalparks spülen soll. Mag sein, aber schöne Gegenden kann man auch ohne Nationalparks mit Baumwipfelpfaden und Naturerlebniszentren aufwerten.

Um zur Eingangsfrage zurückzukommen: Kann denn Schützen nur durch Stilllegen erfolgen? In tropischen Regenwäldern gehen Umweltschutzorganisationen schon seit langem mit dem Slogan „Schützen durch Nützen“ hausieren. Warum kann das keine Lösung für den Freistaat sein? Wäre das, angesichts immer weniger werdender Agrarflächen, nicht wesentlich klüger?

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