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Kommentar

Es geht auch um die Warenströme

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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
15.02.2018

Wie sich der Brexit auf die Bauern auswirkt

Simon Michel-Berger

Der Brexit ist für die europäische Landwirtschaft nicht nur aus agrarpolitischer Sicht eine riesige Baustelle. Ob und wie viel die EU-Beihilfen wegen des Austritts Großbritanniens gekürzt werden müssen, ist dabei nur ein Aspekt. Genauso wichtig wird, was der Brexit mit dem Agrarhandel macht.

Allein bei Milch und Milchprodukten sowie Käse hat Bayern 2017 Waren im Wert von über 140 Millionen Euro ins Vereinigte Königreich ausgeführt. Wenn es keinen ordentlich geregelten Brexit gibt, das heißt, wenn der Handel nicht ungestört fortgeführt werden kann, werden diese Waren sich neue Wege suchen. Zum Teil passiert das heute schon. Europaweit operierende Handelsunternehmen wie Aldi und Lidl reagieren schnell und mit der ganzen Härte von Händlern, die in hartem Wettbewerb stehen. Sie suchen neue Märkte oder kaufen weniger. Fällt aber die Nachfrage des Handels, fallen auch die Erzeugerpreise.

Auch Landwirte aus Ländern, die nicht so viel mit Großbritannien handeln, werden betroffen sein. Denn die Waren werden sich neue Wege suchen. Schon das Russland-Embargo hat gezeigt: Wenn die Warenströme alte Wege verlassen, sind fast immer die Bauern die Leidtragenden.

Der Brexit wird ein Ausscheiden der Briten aus Binnenmarkt und Zollunion bedeuten, so deren eigene Ansage. Wenn das kommt, und die Frage der Übergangsregelung dahin ist noch völlig offen – dann leiden nicht nur die nordirischen Bauern, die ihre Milch heute zur Molkerei über die Grenze in die Republik Irland fahren lassen. Dann leiden Milcherzeuger – aber auch Tierhalter – in der ganzen EU.

So weit darf es die Politik auf beiden Seiten des Ärmelkanals nicht kommen lassen. Wir brauchen auch nach einem Brexit enge, geregelte Handelsbeziehungen mit Großbritannien – im beiderseitigen Interesse.

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