Login
Evangelische Kirche in Deutschland (EKD)

Gentechnik: Evangelische Kirche und Wissenschaftler geraten aneinander

Reis
Thumbnail
Ulrich Graf, Wochenblatt
am
26.05.2017

Gatersleben - Mehrere Wissenschaftler haben scharfe Kritik an der EKD-Führung geübt. Sie werfen ihr eine wissenschaftsfeindliche Einstellung vor. Auslöser ist ein EKD-Leitfaden für ethisch nachhaltige Geldanlagen, in dem die Gentechnik schlecht wegkommt.

„Die Diffamierung von gentechnisch verändertem Saatgut durch die EKD gehört zu den größten Fehlleistungen der Kirche seit der Herausgabe des „Hexenhammers“ im Jahre 1486“, erzürnte sich der Magdeburger Genetiker Professor Reinhard Szibor bei einer am EKD-Sitz in Hannover vom Forum Grüne Vernunft (FGV) durchgeführten Pressekonferenz. Der seit seinen Jugendtagen in der evangelischen Kirche engagierte Wissenschaftler reagierte damit auf den EKD-Leitfaden für „ethisch nachhaltige Geldanlagen“. Durch den Leitfaden sehen die Wissenschaftler Unternehmen, die gentechnisch verändertes Saatgut herstellen, von der EKD mit Unternehmen auf eine Stufe gestellt, die geächtete Kriegswaffen wie Napalm und Splitterbomben herstellen.

Auch die Professoren Hans-Jörg Jacobsen, Hannover, Vorsitzender der Gesellschaft für Pflanzenbiotechnologie,  und Klaus-Dieter Jany, Karlsruhe, Vizepräsident für Forschung und Lehre der Wadi-International University, Syrien, verurteilten die Haltung der EKD-Führung. FGV-Vorsitzender Horst Rehberger kündigte eine gegen die wissenschaftsfeindliche Haltung der EKD-Spitze gerichtete Flugblatt-Aktion auf dem an diesem Wochenende stattfindenden evangelischen Kirchentag in Wittenberg an.

"Die EKD-Führung ignoriere in unverantwortlicher Weise den eindringlichen Aufruf von mehr als 120 Nobelpreisträgern zugunsten der Nutzung der grünen Gentechnik und sei für die Blockade des Millionen Kinder vor Erblindung  und Tod rettenden Goldenen Reises insbesondere durch Feldzerstörungen und die Bedrohung von Wissenschaftlern zumindest moralisch mitverantwortlich", so Jacobsen.

Die Flugblatt-Aktion rechtfertigte Rehberger damit, dass alle seit Jahren unternommenen Bemühungen um einen  Dialog mit der EKD-Führung von dieser beharrlich abgeblockt worden seien.

Auch interessant