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Handelskonflikte

Glyphosat - Bricht der Sojaimport weg?

Soja geschrotet
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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
02.11.2017

Würde die Zulassung für Glyphosat aus gesundheitlichen Gründen nicht erteilt, dürfte in Einfuhren - etwa von südamerikanischem Sojaschrot - künftig nur noch ein zweitausendfach niedrigerer Rückstandsgehalt drin sein.

Simon Michel-Berger

Was wäre passiert, wenn der österreichische Thronfolger nicht 1914 in Sarajewo ermordet worden wäre? Solche und ähnlich Spekulationen sorgen im besten Falle für lange und interessante Gespräche.

Um ein Thema von so großer Tragweite wie den ersten Weltkrieg geht es hier (zum Glück) nicht. Wohl aber um ernsthaften Streit in der Handelspolitik, der innerhalb der nahen Zukunft an mehreren Stellen im Agrarbereich aufflammen könnte.

Erster Punkt dabei sind die Brexit-Verhandlungen. Letztere laufen bekanntlich so schleppend, dass sich informierte Kreise ernsthaft Sorgen machen, ob eine Regelung für die Zeit nach dem EU-Austritt Großbritanniens in verbleibenden gut anderthalb Jahren gefunden werden kann. Gelingt das nämlich nicht, ist auch im Agrarbereich mit massiven Verwerfungen zu rechnen: Großbritannien und die EU erheben wieder Zölle auf gehandelte Produkte, scharfe Grenzkontrollen verteuern die Waren zusätzlich und die ganze damit verbundene Bürokratie erschwert den Handel noch obendrei.

Zweiter Punkt ist die Glyphosat-Wiederzulassung. Würde sie nämlich aus gesundheitlichen Gründen nicht erteilt, müssten glyphosathaltige Produkte nicht nur sofort vom EU-Markt verschwinden. Auch in Einfuhren etwa von südamerikanischem Sojaschrot dürften künftig nur um das zweitausendfache niedrigere Glyphosat-Rückstände enthalten sein. Unsere Handelspartner würden dagegen mit Sicherheit klagen oder Sanktionen verhängen und schon wären wir mitten im Handelskrieg.

Neue Bedeutung würde bei beiden Szenarien die Welthandelsorganisation (WTO) gewinnen. Seit dem vorläufigen Scheitern der Gespräche über eine weltweite Handelsliberalisierung 2008 führt sie ein eher weniger beachtetes Dasein. Das könnte sich bald ändern – als letzte Hoffnung, schlimmen Streit zu schlichten.

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