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Positionspapier

Glyphosat - Naturschutzamt will schnellen Ausstieg

BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel
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Ulrich Graf, Wochenblatt
am
05.02.2018

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) hat sich kritisch zu Glyphosat geäußert. Die Behörde sieht vor allem Risiken für die biologische Vielfalt.

In einem Positionspapier fordert das Bundesamt für Naturschutz nun einen schnellen Ausstieg.

Am 2. Februar fand eine Debatte des Bundesrates zu Glyphosat statt. Das BfN hat dazu Empfehlungen in einem Positionspapier veröffentlicht.

„Der Einsatz von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln hat, das belegen die von uns ausgewerteten wissenschaftlichen Studien, erhebliche negative Auswirkungen auf die biologische Vielfalt. Das trifft auch für die in Deutschland derzeit zugelassenen Anwendungen zu. Hier sind insbesondere indirekte Auswirkungen auf die Vielfalt und Dichte von Arten zu befürchten und diese können zum Beispiel den Insektenrückgang noch verstärken“, erklärt BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel. „Deshalb ist es unumgänglich, die biologische Vielfalt insbesondere in der Agrarlandschaft deutlich besser als bislang vor solchen Auswirkungen zu schützen. Einen Beitrag dazu wollen wir mit unserem Positionspapier zu den Auswirkungen von Glyphosat auf die Biodiversität und den darin formulierten Empfehlungen leisten.“

Das BfN empfiehlt deshalb indirekte Wirkungen auf die biologische Vielfalt bei Wirkstoffprüfung und Zulassung von Pflanzenschutzmitteln stärker zu berücksichtigen und auf allen Ebenen zum Gegenstand der Prüfungen und Entscheidungen zu machen. Nationale Mittelzulassungen seien gegebenenfalls mit Auflagen zu versehen, die negative Auswirkungen auf die biologische Vielfalt effektiv mindern können. Ähnliches gelte auch im Bereich herbizidresistenter gentechnischer Organismen. Hier bleibt es aus Sicht des Bundesamtes für Naturschutz nach wie vor wichtig, im Rahmen des Gentechnikrechts auch die Anwendung des jeweiligen Herbizids zu prüfen.

Pflanzenschutzmittelabgabe in den Raum gestellt

Als Maßnahmen zum Schutz der biologischen Vielfalt ist die Empfehlung des BfN, vor allem die rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen bzw. zu schaffen, um den Einsatz von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln schnell zu beenden sowie bis dahin maximal zu beschränken. Zugleich sollten auch ökonomische Instrumente, beispielsweise eine Pflanzenschutzmittelabgabe geprüft werden.

Im Zusammenhang mit den nun anstehenden Zulassungen glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel für die landwirtschaftliche Anwendung in Deutschland empfiehlt das BfN unter anderem, dass diese nicht angewendet werden dürfen, wenn die Betriebe nicht zugleich auch einen Mindestanteil an Fläche mit ökologischer Ausgleichsfunktion ohne entsprechenden Herbizideinsatz aufweisen. Außerdem spricht sich das BfN dafür aus, den Einsatz glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel in Schutzgebieten wie Natura-2000-Gebieten, Nationalparken, Naturschutzgebieten, Kern- und Pflegezonen von Biosphärenreservaten sowie in Wasserschutzgebieten und Gewässerrandstreifen über die bestehenden Vorschriften hinaus so weit und so schnell wie möglich zu verbieten.

Das Positionspapier „Auswirkungen von Glyphosat auf die Biodiversität“ steht auf der BfN-Website www.bfn.de in der Rubrik „Argumente, Positionen, Hintergründe“ zum Download bereit.

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