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Lieber Leser

Wir haben doch starke Argumente

Wald
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Sepp Kellerer, Wochenblatt
am
07.03.2019

Umdenken muss nicht verkehrt sein.

Kellerer Sepp

Schneller, höher, weiter – mit anderen Worten, den technischen und den züchterischen Fortschritt bis ans Limit ausreizen – dafür stand lange Zeit die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft. Dann kam ein beinahe dramatischer Schwenk. Gefordert sind heute Fortschritte in Sachen Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz sowie Tiergerechtheit, stellte DLG-Präsident Hubertus Paetow auf der diesjährigen Wintertagung fest. Mit den knappen Ressourcen bestmöglich arbeiten, sei heute die Devise, fügte er hinzu.

So dramtisch ist der Schwenk also gar nicht, denn dabei hilft die neue Technik, Stichwort Digitalisierung. Und ob es überhaupt ein Schwenk ist, die Frage stellt sich spätestens dann, wenn die teure Technik und die hohen Ansprüche an die Professionalität den Strukturwandel weiter befeuern.

Damit wir uns nicht falsch verstehen, die Gedanken, Ansätze und Folgerungen der DLG sind nachvollziehbar, die Wahrscheinlichkeit, dass sie eintreten, ist gar nicht so gering. Um es einmal ganz klar zu sagen: Wenn man ein Volksbegehren damit verkaufen will, dass das ja gerade den kleinen Bauern hilft, dann liegt man völlig falsch. Dazu ein simples Beispiel: Wenn ich einen Zehn-Hektar-Schlag habe und vielleicht 100 Hektar bewirtschafte, dann lege ich halt einen Randstreifen still und schaue, dass ich woanders wieder Fläche zupachten kann. Wenn mein Acker aber nur 15 Meter breit ist, und ich fünf Meter davon stilllegen muss, dann sage ich, jetzt reichts, jetzt mag ich nicht mehr. In dem Fall bleibt nur noch zu hoffen, dass am Artensterben wirklich die Bauern schuld waren und durch diese Maßnahmen wenigstens die Bienen profitieren. Aber ob die auf Dauer im Blickpunkt der Gesellschaft stehen, das darf bezweifelt werden.

Die Menschen erwarten nämlich auch künftig von den Bauern, dass sie sichere und vor allem günstige Nahrungsmittel erzeugen, sagte jedenfalls der Philosoph und Kommunikationswissenschaftler Christian Dürnberger bei der DLG. Wer beruflich Tiere halte, der müsse künftig erklären können, warum er seine Art der Haltung für moralisch vertretbar hält.

Und genau darin kann auch die Chance liegen. Nämlich dann, wenn Sie ihre eigenen Werte nach draußen tragen. Das Erbe der Eltern zu bewirtschaften, um es an die nächste Generation weiterzugeben, in möglichst hoher Verträglichkeit mit der Natur zu arbeiten und die Schöpfung zu bewahren, das sind doch starke Argumente.

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