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Milchviehhaltung

Handel gräbt Anbindehaltern das Wasser ab

Dieser Artikel ist zuerst im Bayerischen Landwirtschaflichen Wochenblatt erschienen.

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Anbindehaltung
© Imago/Imagebroker
von , am
14.07.2017

Kaufbeuren - Obwohl die Politik das Verbot der Anbindehaltung ablehne, versuche derzeit der Handel Fakten zu schaffen. So soll bei einigen Molkereien mittlerweile die Milch aus Betrieben mit Anbindehaltung getrennt abgeholt werden.

Gerade für die kleinen landwirtschaftlichen Betriebe bedeute dies aber oft das „Aus“, so Kreisobmann Josef Nadler vom BBV Ostallgäu. Denn die separate Abholung verursache enorme  Zusatzkosten. Ein Umbau zu Laufstallhaltung sei für diese wirtschaftlich überhaupt nicht darstellbar. So würden kleine Betriebe zum Aufgeben gezwungen, so Nadler.
Auch die neu beschlossene und bereits gültige Dünge-Verordnung stelle gerade diese kleinen Betriebe vor unüberwindbare Hindernisse. So sei die zukünftig vorgeschriebene Ausbringtechnik mit Schleppschläuchen für kleine Betriebe oder kleine Feldstücke nicht nutzbar. Gerade auf Steilhängen könne eine solche Technik nicht angewandt werden. „Wir brauchen hierfür fach- und sachgerechte Lösungen“, forderte Kreisbäuerin Karina Fischer.
Seit kurzem werden auch die Cross-Compliance-Kontrollen des Veterinäramtes nicht mehr telefonisch angekündigt. Bisher sei der Betriebsleiter bei einer bevorstehenden Kontrolle vorher informiert worden. So konnte dieser die entsprechenden Unterlagen bereithalten bzw. sich den Termin freihalten. Die jetzige Praxis mit fehlender Ankündigung führe oft dazu, dass das Veterinäramt unverrichteter Dinge wieder abziehen muss, wenn der Landwirt nicht zu Hause ist, und die Familie nicht weiß, wo die Unterlagen zu finden sind.
„Wir brauchen auch hier pragmatische Lösungen“, machte Kreis­obmann Josef Nadler klar. Es gehe nicht darum, Dinge zu vertuschen, sondern die Kontrollen für den Landwirt und die Veterinärbehörde so einfach und praktikabel wie möglich zu gestalten. Keinem sei gedient, wenn das Veterinäramt mehrfach auf den Hof kommen muss, etwa weil der Nebenerwerbs-Landwirt gerade in der Arbeit ist.

Die Probleme der Bauern besprach der BBV Ostallgäu in seiner Geschäftstelle mit MdB Stephan Stracke. Laut Stracke stehe die gemeinsame Agrarpolitik Europas vor großen Herausforderungen. Großbritannien, das die EU verlassen will, sei bislang einer der größten Nettozahler in den EU-Haushalt. Hier sei wohl ab 2021 mit Einschnitten zu rechnen. In diesem Zusammenhang fordert der Kreisobmann, die dann noch vorhandenen Mittel möglichst in der so genannten 1. Säule und damit einkommenswirksam zu belassen.  Gerade im Jahr 2016 sei deutlich geworden, wie wichtig diese Direktzahlungen für die Liquidität der landwirtschaftlichen Familienbetriebe sind. Eine Übertragung in die 2. Säule bedeute indes, dass dieses Geld für das Einkommen der Familienbetriebe seine stabilisierende Wirkung auf die Agrarstruktur verliere.

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