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Haltungskennzeichnung

Der Handel handelt und setzt die Regierung unter Druck

Fleischtheke
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Karola Meeder, Wochenblatt
am
01.02.2018

Erst vor Kurzem bekräftigte die Bundesregierung ihre Absage an eine verbindliche Haltungskennzeichnung, nun führt Lidl ein eigenes System ein und bekommt Zuspruch, unter anderem von Bioland und Greenpeace.

Fleischtheke

Die Handelskette Lidl kennzeichnet ab April seine eigenen Frischfleischprodukte mit einer vierstufigen Haltungskennzeichnung. Der Lebensmitteldiscounter reagiert damit auf die zunehmende Forderung der Verbaucher nach mehr Transparenz in der Tierhaltung, schreibt Greenpeace in einer Pressemitteilung. Der vierstufige Haltungskompass von Lidl werde die Verbraucher künftig auf einen Blick erkennen lassen, unter welchen Bedingungen die Tiere gehalten wurden. Bei Eiern ist eine solche Kennzeichnung gesetzlich verpflichtend, betont Greenpeace. „Transparenz für Verbraucher ist ein wichtiger Schritt hin zu einer besseren Tierhaltung. Wenn dem Discounter Gesundheit und Wohl der Tiere wirklich wichtig sind, muss Lidl Fleisch aus tierschutzwidriger Haltung langfristig ganz aus dem Sortiment nehmen“, fordert Stephanie Töwe von Greenpeace.

Greenpeace hatte im Januar mit einem Rechtsgutachten belegt, dass eine verpflichten Haltungskennzeichnung von Fleisch für Verbraucherschutz und Wahlfreiheit unerlässlich ist. Diese Kennzeichnung national umzusetzen ist laut Gutachten mit EU-Recht vereinbar und kann auch für importiertes Fleisch gelten. Daraufhin stellte Dr. Kirsten Tackmann, Bundestagsabgeordnete der Linken, eine schriftlichen Anfrage an die Bundesregierung wann eine verpflichtetende Haltungskennzeichnung eingeführt werde. In der Antwort, bekräftigte der Parlamentarische Staatssekretär vom Bundeslandwirtschaftsministerium die Absage an eine solche Kennzeichnung. Hier gehts zum Artikel https://www.agrarheute.com/wochenblatt/feld-stall/tierhaltung/regierung-bekraeftigt-absage-verpflichtende-haltungskennzeichnung-542217

Töwe fordert nun, dass die Bundesregierung nachzieht. „Während der Landwirtschaftsminister Transparenz beim Fleischkauf bremst, geht Lidl voran“, so Töwe. „Die nächste Bundesregierung muss endlich auf den Wunsch der Verbraucher nach mehr Transparenz und besserer Tierhaltung reagieren und eine Kennzeichnungspflicht auflegen. Andernfalls droht ein unübersichtlicher Label-Dschungel, in dem Verbraucher leicht getäuscht werden können.“

 

Mit Material von Greenpeace

Positive Rückmeldung auch von Bioland

Auch Bioland-Präsident Jan Plagge reagiert ähnlich:„Der Handel  ist offenbar näher an den Fragen der Bürger, als es die Bundespolitik derzeit ist. Anstatt abzuwarten handelt der Handel. Wir begrüßen den Vorstoß von Lidl, der mutig auch den niedrigsten Standard nach den gesetzlichen Haltungsvorschriften kennzeichnet. Ein solch sinnvolles System hätte allerdings längst von der Politik kommen müssen. Schließlich wird an der Kennzeichnung von Wurst- und Fleischprodukten seit Jahren geforscht und gearbeitet. Nun ist zu hoffen, dass weitere Händler nachziehen und den Verbrauchern ebenfalls vollständige Transparenz bieten. Die Bundesregierung muss zum Wohl der Verbraucher, Umwelt und Nutztiere nun auch endlich eine verpflichtende Haltungskennzeichnung einführen."

Mit Material von Bioland
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