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Agrarpolitik

Hat der bayerische Weg eine Zukunft?

Kulturlandschaft Bayern
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Ulrich Graf, Wochenblatt
am
07.11.2017

Globalisierte Märkte, Kostendruck, Trend zu großen Einheiten und ein dominater Lebensmitteleinzelhandel: Kann da ein nahezu 50 Jahre altes Konzept bestehen?

Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner ist der Meinung: Ja, das geht. Das hat er am Montag bei einer Tagung in München deutlich gemacht. Dabei könnten die Stützen aus einer Richtung kommen, von der man es eigentlich nicht erwartet.

Eisenmann begründete den Bayerischen Weg

Hans Eisenmann und Josef Ertl

1970 hat Bayern einen eigenen Weg in der Agrarpolitik beschritten. Sein Schöpfer war Landwirtschaftsminister Dr. Hans Eisenmann. Er war von 1969 bis zu seinem Tod im Jahr 1987 im Amt. Sein Ziel war unter anderem, den Strukturwandel in der Landwirtschaft sozial verträglich zu gestalten und Strukturbrüche zu vermeiden.

Den „Bayerischen Weg“ hatte Eisenmann als Gegenentwurf zum sogenannten Mansholt-Plan entworfen, mit dem der damalige EG-Agrarkommissar die Agrarstruktur in Europa planwirtschaftlich ausrichten wollte. Die Grundsätze waren 1970 gesetzlich verankert worden. Sie setzen auf eine flächendeckende, multifunktionale, nachhaltige und bäuerlich geprägte Landwirtschaft.

Dieser ganzheitliche Ansatz hat nach Aussage des heutigen Landwirtschaftsminister, Helmut Brunner, entscheidend dazu beigetragen, die Wettbewerbsfähigkeit bäuerlicher Strukturen und die Attraktivität der Kulturlandschaften in Bayern zu erhalten. Nicht ohne Grund stehe heute jeder dritte Bauernhof Deutschlands im Freistaat.

Brunner hält Fortführung für möglich

Die Staatsregierung setzt auch künftig auf einen eigenständigen bayerischen Weg in der Agrarpolitik. Ein Erfolg ist aber nur möglich, wenn man sich den Herausforderungen stellt. „Wenn wir unsere führende Rolle als Agrarstandort weiter ausbauen wollen, müssen wir dauerhaft besser und erfolgreicher sein als Andere“, sagte Minister Brunner.

Der Freistaat biete dafür beste Voraussetzungen und Perspektiven, es brauche aber auch künftig die richtigen politischen Weichenstellungen – und zudem den Mut, Probleme entschlossen anzugehen und gesellschaftliche Veränderungen als Chance zu begreifen.

Als besondere Stärke der bayerischen Landwirtschaft sieht Brunner die große Vielfalt und Kreativität der bäuerlichen Familienbetriebe. Deshalb bleibe es Schwerpunkt bayerischer Agrarpolitik, gerade diese Betriebe zu stärken – ob durch passgenaue Förderprogramme, Investitionsanreize, Bildung oder Forschung.

„Wir werden unseren Bauern auch künftig Zukunftsperspektiven eröffnen, unabhängig von Betriebsgröße und Bewirtschaftungsform“, so der Minister. Ziel sei, möglichst viele Betriebe dauerhaft und flächendeckend zu erhalten. Das komme der Attraktivität und Vitalität der ländlichen Räume zugute und sichere das soziale und kulturelle Leben auf dem Land.

Im Fahrwasser von Tierwohl und Umweltschutz

Der Bayerische Weg könnte wieder Fahrt aufnehmen durch aktuelle Verbaucherwünsche. Brunner appellierte an die Bäuerinnen und Bauern, die wachsende Sensibilität für Fragen

  • des Tierwohls,
  • der Gesundheit und des
  • Umweltschutzes nicht als Bürde, sondern im Gegenteil als Chance zu sehen.

Denn gerade die bayerischen Strukturen würden den Anliegen der Verbraucher nach Regionalität, Überschaubarkeit und Transparenz am besten gerecht. „Wir brauchen auch künftig die Akzeptanz der Bevölkerung für unsere Arbeit“, so der Minister.

Agrarpolitik könne nur erfolgreich sein, wenn sie sich als Gesellschaftspolitik verstehe. Mehr denn je komme es deshalb darauf an, grundlegende Entscheidungen frühzeitig mit gesellschaftlich relevanten Gruppen vorzubereiten und Kompromisse zu finden. Brunner: „Nur so können dauerhaft tragfähige und rasch umsetzbare Lösungen erreicht werden.“

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