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Umwelt-Engagement

Wer hat die Deutungshoheit?

Dachs
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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
10.05.2019

Bauern sind nicht schlechter als Umweltaktivisten, aber das zu verkaufen, ist nicht ihre Stärke.

michel-berger

In den 80er-Jahren erschien die humoristische britische Fernsehserie „Yes, Minister“ über einen planlosen, aber gutherzigen (fiktiven) Minister und seinen smarten Staatssekretär. In einer Folge will der Minister ein Naturschutzgebiet auflösen und sieht sich mit dem öffentlichen Protest seiner Tochter konfrontiert, welche die dort lebenden Dachse retten will.

Der Minister versteht die Welt nicht mehr, Dachse übertrügen schließlich Krankheiten und seine Tochter habe noch nie einen in der Natur gesehen. Rettung bringt der Staatssekretär, der eine Studie zitiert, wonach in dem Gebiet überhaupt keine Dachse leben und die Protestbewegung von Bodenspekulanten unterstützt wird, die verhindern wollen, dass die Gemeinde im Areal Sozialwohnungen baut – weil sie selber hoffen, dort Luxuswohnanlagen errichten zu können. Die Antwort der Tochter: „Ach so, na, dann lass ich es eben.“

Dieses kleine Beispiel soll zeigen, wie wichtig auch beim Artenschutz die Interpretation ist. Angesichts der neuen Studie des Weltbiodiversitätsrates tut die Landwirtschaft gut daran, hier tätig zu werden. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) wedelt bereits mit dem Bericht und fordert eine Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik. Dabei ist eines der zentralen Ergebnisse der Forscher, dass sich das menschliche Verhalten insgesamt ändern muss.

Ich glaube nicht, dass selbst wenn die jährliche deutsche Agrarförderung von gut sechs Milliarden Euro komplett an Umweltschutzverbände gegeben würde, damit der Rückgang der Artenvielfalt aufzuhalten wäre. Was sind schon sechs Milliarden angesichts von, beispielsweise, über 40 Milliarden, die deutsche Privathaushalte in 2017 allein für Kraftstoff ausgegeben haben – mit allen Folgen für den Klimawandel? Alles hängt zusammen, auch das eine Aussage des Berichts. Bauern sind nicht schlechter als Umweltaktivisten, aber sie verkaufen sich oft schlechter.

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