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Michvieh

Heidl gegen Frist für Anbindehaltung

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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
10.01.2019

Vorstoß der Molkereien befeuert politische Diskussion erneut.

München Soll den Milcherzeugern eine Frist für den Ausstieg aus der ganzjährigen Anbindehaltung gesetzt werden? Die Diskussion darüber ist neu entbrannt. Auslöser ist ein Strategiepapier, das der Molkereiverein milch.bayern Mitte Dezember vorgestellt hatte. Das Papier, das die Molkereiverbände aus Bayern und Baden-Württemberg unterzeichnet haben, fordert eine Umstellung der ganzjährigen Anbindehaltung auf Laufstall- bzw. Kombinationshaltung bis 2030.

Entwicklung nicht übers Knie brechen

BBV-Präsident Walter Heidl lehnte gegenüber der Deutschen Presseagentur am Montag die Fristsetzung ab und warnte: „Wir dürfen nicht zulassen, dass innerhalb von zehn oder 15 Jahren die Ställe zugesperrt werden müssen.“ Auf rund 50 % der bayerischen Höfe, etwa 15.000 Betrieben, würden die Kühe in Anbindehaltung gehalten. Nur jeder fünfte dieser Betriebe könne derzeit den Tieren eine Laufmöglichkeit bieten. Heidl sagte, dass die ganzjährige Anbindehaltung keine Haltungsform der Zukunft sei. Er lehne es aber ab, „dass man die Entwicklung mit einer Frist übers Knie bricht – und man denen, die noch mit Anbindehaltung wirtschaften, den Stuhl vor die Tür stellt.“ Gerade in kleineren Betrieben, viele davon mit dieser Haltungsform, sei der Umgang der Bäuerinnen und Bauern mit ihren Tieren oft ein guter, so der Präsident.

Nicht konkret zu einer Frist äußern will sich das bayerische Landwirtschaftsministerium. Ein Sprecher sagte dem Wochenblatt: „Entscheidend ist doch, dass wir extreme Strukturbrüche verhindern und versuchen, möglichst vielen Milchviehhaltern zu helfen, gesellschaftlich akzeptierte und zukunftsfähige Haltungsformen wie Laufstall oder Kombinationshaltung mit Bewegungsmöglichkeiten zu erreichen.“ Ziel sei es, so schnell wie möglich aus der ganzjährigen Anbindehaltung auszusteigen. Gemeinsam mit Molkereiwirtschaft und Berufsstand wolle man zügig eine gemeinsame bayerische Position zur Kombinationshaltung erarbeiten.

Grüne äußern Kritik

Kritischer ist Gisela Sengl, agrarpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag. Statt wie Heidl darüber zu klagen, dass die reine Anbindehaltung keine Zukunft mehr habe, sollten „Landwirte, Bauernverband und CSU die Umstellung als Chance begreifen – und als flächendeckenden Qualitätsschub für gute Milch aus Bayern“. Bauernverband und CSU warf sie vor, die Milchviehhalter in den vergangenen Jahren „schlecht beraten“ zu haben. Beide hätten die Umstellung von der Anbinde- zur Laufstallhaltung weder gefordert, noch gefördert.

Diesem Vorwurf widerspricht man im Landwirtschaftsministerium energisch. Bayern habe die Umstellung auf Laufstallhaltung bei Milchkühen seit 2008 mit rund 370 Mio. € unterstützt, gezielt auch bei kleineren Milchviehhaltern. Von 2010 bis 2016 seien so mit staatlicher Unterstützung insgesamt 86 000 Laufstallplätze geschaffen worden. SMB

Nähere Infos zu bayerischen Förderprogrammen für die Umstellung weg von der Anbindehaltung gibt es im Internet unter:

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