Login
Kommentar

Helfen muss man sich selbst

Thumbnail
Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
30.12.2016

Eines macht die Viehbestandszählung deutlich: Es reicht nicht, wenn die Bauern in der Krise auf die Hilfe der Politik setzen.

Helfen muss man sich selbst

Eines macht die Viehbestandszählung deutlich: Es reicht nicht, wenn die Bauern in der Krise auf die Hilfe der Politik setzen. Ob etwa die Zahl der Betriebsaufgaben im Milchbereich in einem Bundesland schlimm oder weniger schlimm war, hat nichts mit der Farbe der Landesregierung zu tun. So waren die Betriebsrückgänge am stärksten in Nordrhein-Westfalen (rot-grün, grüner Agrarminister), Baden-Württemberg (grün-schwarz, CDU-Agrarminister seit Mai) und Brandenburg (rot-rot, SPD-Agrarminister). Deutlich schwächer war es in Bayern und Niedersachsen (rot-grün, grüner Agrarminister).

Das ist zu viel Schwankungsbreite, als dass sich jemand als Verteidiger seines Landes fühlen dürfte. Das ist aber kein Wunder. Selbst wenn man die knapp 600 Millionen Euro, die Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt als Krisenhilfe in 2015 und 2016 anpreist, auf alle Milchviehbetriebe in Deutschland verteilt hätte, wären pro Hof gerade einmal gut 8000 Euro herausgekommen. Besser als nichts, aber kein aufgebender Betriebsleiter wird deshalb seine Entscheidung ändern.

Nun hätten die Krisenhilfen unter einer andersfarbigen Bundesregierung wohl anders ausgesehen. Wesentlich höher wären sie aber sicher nicht gewesen. Und Änderungen an den Rahmenbedingungen brauchen Zeit, bis sie wirken.

Unter dem Strich liegt es zu allererst an jedem Betriebsinhaber, ob der Hof gut durch eine Krise kommt. Das entlastet die Politik nicht davon, an den großen Stellschrauben zu drehen (Stichwort: Marktmacht der Supermärkte). Aber es ist auch eine Warnung, nicht zu euphorisch zu werden, wenn die Preise wieder steigen. Lieber ein Wachstum mit Bedacht als ein Wachsen, auf das in der Krise das Weichen folgt – etwa wenn die Bank auf einen Schlag ein paar hunderttausend Euro Sicherheit nachfordert.     

Auch interessant