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Freiwilliger Lieferverzicht bei Milch

Heute schon Gedanken machen

Dieser Artikel ist zuerst in der Agrartechnik erschienen.

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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
28.07.2016

München - Stark im Fluss, so ist momentan die Lage bei dem Teilaspekt der neuen EU-Hilfen, der für am meisten Furore gesorgt hat: Dem freiwilligen Milchlieferverzicht gegen Entschädigung.

Simon Michel-Berger

Letzte Woche hat Agrarkommissar Phil Hogan noch gesagt, die Anträge der Bauern werden nach dem Prinzip „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ abgearbeitet. Das ist eine Woche später schon ganz anders: Nun soll es einen Stichtag geben (19. September), bis zu dem die Bauern Anträge stellen können. Fest steht auch, dass die Referenzperiode 2015 vom 1. Oktober bis 31. Dezember läuft und der Lieferverzicht in der Zeit von 1. Oktober bis 31. Dezember 2016 erfolgen muss.

Intensive Gedanken muss sich die EU-Kommission allerdings noch darum machen, wie zumindest die gröbsten Mitnahmeeffekte vermieden werden können. Denn all die Landwirte, die ihre Produktion aus betrieblichen Gründen ohnehin zurückfahren wollen, würden derzeit dafür noch belohnt. Auch könnte nach aktuellem Stand jeder Landwirt theoretisch eine geplante Liefermenge von Null angeben und dann schauen was passiert: Macht es für ihn letztlich wirtschaftlich keinen Sinn weniger zu liefern, hat er keine Sanktionen zu befürchten.

Gedanken machen müssen sich allerdings auch die Landwirte. Im Herbst geht die Milchanlieferung ohnehin zurück. Wenn genug Landwirte ihre Lieferungen freiwillig reduzieren schadet das unter Umständen der eigenen Molkerei, die dann im schlimmsten Fall ihre langfristigen Lieferverträge nicht erfüllen kann oder sich teure Milch am Spotmarkt kaufen muss, während die eigenen Bauern auf ihre Produktion für 14 Cent je Kilogramm verzichten. Gerade für manche Genossenschaftsmolkerei deren Erzeugnisse im hochpreisigen Marktsegment liegen, könnte das durchaus ein Thema werden.

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